Eine Lösung des Handelskonflikts zwischen den USA und China bedeutet noch lange nicht das Ende der Turbulenzen an den Börsen. "Ich habe die Sorge, dass ein Pakt zwischen US-Präsident Donald Trump und China sich nicht als der Heilsbringer erweist, den sich viele erhoffen", sagte Peter Dreide, Fondsmanager von TBF Global Asset Management, auf dem "Asset Manager Meeting" am Vorabend des FONDS professionell KONGRESSES in Mannheim. Die Risiken für Konjunktur- und Marktentwicklung reichten über den Handelsstreit hinaus, warnte der Gründer der Boutique aus dem baden-württembergischen Singen. Aus dem Hause stammt unter anderem der Bestseller 4Q Special Income, der jüngst den Firmennamen vorangestellt bekam – wie bei der gesamten Palette.

So habe China etwa hausgemachte Probleme. Der Konsum flaue ab, eine Sättigung sei zu erkennen. die Verschuldung sei enorm gewachsen. Auch die USA seien überschuldet. Dies gelte nicht nur für die öffentlichen Haushalte, auch die Privatverschuldung steige. Obendrein hätten viele Unternehmen zuletzt schwache Zahlen berichtet, sagte Dreide auf der von Volker Schilling und Melanie Kösser moderierten Veranstaltung. Diese hatte die auf vermögensverwaltende Fonds spezialisierte Gesellschaft Asset Standard nun schon zum vierten Mal veranstaltet. "Vielleicht stehen wir vor dem Ende der unendlichen Ära von Globalisierung und Wachstum", warnte Dreide.

"Cash is King"
Angesichts der Risiken mahnte der Multi-Asset Manager Investoren und Berater, die Augen offen zu halten und nach dem ausgeprägten Pessimismus der vergangenen Monate nun nicht in blinde Euphorie zu verfallen. "Viel Investoren halten Aktien, weil sie Angst haben, die Rally nach einer Einigung zwischen den USA und China zu verpassen", sagte der Portfoliolenker. "Lieber verpasse ich zehn Prozent der Rally, als ins offene Messer zu laufen." Das Jahr 2018 sei für vermögensverwaltende Fonds schlecht gelaufen und der Druck entsprechend hoch, Verluste wieder aufzuholen. "Auch wir haben eins auf die Nase bekommen", räumte Dreide offen ein.

Durch die Erholung seit dem Jahreswechsel habe sich aber ein guter Teil der Rückschläge wieder wettmachen lassen. Solche Möglichkeiten müsse man taktisch nutzen und flexibel auf die Marktlage reagieren. Zugleich sichert er sein Portfolio jedoch ab und kauft solide Staatsanleihen. Und: "Cash is King – im Moment", sagte der Gründer der Gesellschaft TBF, die erstmals auch auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim vertreten ist. Eine Rezession sieht der Manager allerdings nicht kommen – sofern die Notenbanken und insbesondere die Fed umsichtig agieren.

In der Spätphase
"Es braucht vielleicht auch keine Rezession, um einen weiteren Rückschlag an den Aktienmärkten zu erwecken", ergänzte Jakob Tanzmeister von J.P. Morgan Asset Management auf der Asset-Standard-Veranstaltung. Wie Dreide geht auch der Multi-Asset-Manager des US-Hauses mit gedämpften Erwartungen in das Jahr. "Wir sind in einer Spätphase der Konjunktur. Daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zu Rückschlägen bei den Assetpreisen kommen kann", so der Experte. Etwas optimistischer, wenngleich nur verhalten für die weitere Marktentwicklung zeigten sich Stefan Amanda von Meag und Wolfgang Sawazki vom Landert Family Office.

Daneben stellte Michel Legros von Rouvier Associés vor, wie sein Haus Qualitätsaktien herausfiltert. Denselben Anspruch hegte auch Nils Bosse Parra von Oddo BHF Asset Management. Weiterhin stellte Daniel Nolten von Blackrock die Managed Index Portfolios des Hauses vor. Diese vereinen günstige ETFs mit aktivem Management. Die Investmentprofis waren sich letztlich in einem Punkt einig: Angesichts der Unwägbarkeiten kommt es darauf an, gute Investments günstig zu kaufen – und teuer wieder loszuschlagen. Diese schlichte Grundlage des Investierens gerate wegen politischer Wirren und der Geldschwemme der Notenbanken immer wieder aus dem Blick. (ert)