Investoren neigen dazu, Kursentwicklungen als entscheidenden Risikoindikator zu sehen. Steigt der Kurs einer Aktie über einen langen Zeitraum an, dann halten sie es für wahrscheinlich, dass sich der Höhenflug auch in Zukunft fortsetzt. Christoph Bruns, Vorstand und Portfolio Manager bei Loys, hält das für einen Trugschluss: "Die Kurse können irren, zumal wenn sie jahrelang nur eine Richtung kennen: die nach oben."

So war es bei den Nobelpreisträgern von Long-Term Capital Management (LTCM), die 1998 in die Pleite rauschten, und ebenso bei Bernie Madoff, dem die Finanzwelt lange zujubelte ob seiner so großartigen Fondsmanagementleistungen. Auch Wirecard ist laut Bruns ein Lehrstück dafür, was passieren kann, wenn Anleger jedem Börsenliebling nachlaufen. Jahrelang wurde die Aktie des Zahlungsdienstleisters als Stolz der deutschen Börsengemeinde gehandelt – dann wurde bekannt, dass Wirecard Bilanzen in einem erheblichen Umfang manipuliert hat. "Der Fall Wirecard zeigt: Risiken zu ignorieren kann lange gut gehen, endet aber in aller Regel böse", sagt Bruns.

Vorsicht ist besser als Nachsicht
Derzeit kann man bei vielen heute beliebten Nasdaq-Aktien beobachten, dass Anleger Bewertungsrisiken gänzlich ignorieren und jedweden Kurs akzeptieren. Statt blind jede Bewertung zu akzeptieren, sollten sich Anleger lieber in gezielter Gefahrvermeidung üben, rät Bruns. Dazu gehört auch, bei berechtigten Zweifeln an der Zukunft einer Aktie "nein" sagen – selbst wenn die breite Masse noch anderer Meinung ist. (fp)