Das Reizwort "Doppelbesteuerung" war in diesem Jahr bereits in Bezug auf Rente ein Thema. Ein Ruheständler-Ehepaar hatte beim Bundesfinanzhof (BFH) geklagt, weil der Staat Rentner seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2005 teilweise zwei Mal besteuert. Der BFH wies die Klage des Paares zurück, hat aber eine Formel gegen die Doppelbesteuerung bestimmt, an der sich Finanzämter nun orientieren müssen. Allerdings gibt es Doppelbesteuerung in Deutschland nicht nur bei Ruhegeldern, sondern auch bei Kapitalerträgen, sagt Christoph Bruns, Vorstand und Fondsmanager beim Vermögensverwalter Loys, in einem aktuellen Gastbeitrag bei "Capital.de".

So werden die Gewinne der Unternehmen, in die Anleger investieren, in einem ersten Schritt mit einer Körperschafts sowie mit einer Gewerbeertragsteuer belastet. Hierfür könne man rund 30 Prozent von den Gewinnen abrechnen. Nachdem die davon übrigen Überschüsse als Dividenden an die Aktionäre ausgezahlt werden, müssen diese noch die Kapitalertragsteuer, den Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch die Kirchensteuer darauf entrichten. Ohne Kirchensteuer sind das weitere 26,4 Prozent Minus. Von 100 Euro Unternehmensgewinn bleiben dem Aktionär somit am Ende 51,50 Euro netto an Ertrag übrig, rechnet der Experte vor – also wenig mehr als die Hälfte.

Österreich und die Schweiz machen es besser
Dieser Steuermechanismus bremst aus Bruns‘ Sicht die Vermögensentwicklung der Deutschen aus. Umso unverständlicher sind ihm Forderungen, die Kapitalertragsteuer anzuheben. Wenn es nach Bruns geht, sollte sich Deutschland ein Vorbild an der Vermögensentwicklung seiner Nachbarn nehmen: "Die reichen Nachbarländer Deutschlands wie die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und Österreich lachen über den Unwillen der deutschen Politik, die Wohlstandsentwicklung seiner Bürger stärker zu priorisieren", moniert der Vermögensprofi. (fp)