US-Präsident Donald Trump hatte drei Wünsche für den Finanzmarkt der Vereinigten Staaten: Niedrigere Zinsen, günstigere Ölpreise und einen schwächeren Greenback. Sie alle sind in Erfüllung gegangen – wenn auch nicht immer so wie erhofft. "Nach Jahren der Festigkeit hat die US-Landeswährung zuletzt kräftig an Wert verloren", beobachtet Christoph Bruns, Vorstand des Vermögensverwalters Loys. Musste man 2008 noch bis zu 1,60 US-Dollar für einen Euro bezahlen, bewegt sich der Greenback seitdem unter Schwankungen bei bis zu 1,07 pro Euro. Manche Marktexperten rechneten gar mit einer Parität zur deutschen Einheitswährung.

Dann kam Corona. Die Krise führte der Welt laut Bruns vor Augen, wie dilettantisch es um die US-Regierung bestellt ist. Das hat auch das Blatt am Devisenmarkt gewendet. "Die täglichen Nachrichten aus Übersee speisen sich zunehmend aus Meldungen über Massenarbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Kulturkampf, Rassenunruhen und überforderte Politik", sagt der Vermögensprofi.

China als Gewinner der Krise
In der Vergangenheit sprach stets die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa zugunsten von Dollar-Anlagen. Dieser Vorteil hat sich durch die radikalen Zinssenkungen der US-Notenbank Fed verflüchtigt. "Jedenfalls sind die Zinskupons diesseits und jenseits des Atlantiks so gering, dass eine Anlage in US-Staatspapieren unattraktiv geworden ist, wenn man das Währungsrisiko berücksichtigt."

Nun ein Loblied auf den Euro zu singen, hält Bruns aber ebenfalls für falsch. "Europa steht seinerseits in der aktuellen Krise nicht gerade glänzend da", sagt der Experte. Man müsse sogar befürchten, dass auch diesmal die Vereinigten Staaten per Saldo rascher und besser aus dem Schlamassel herauskommen als der Kontinent. Deshalb könnte China als relativer Gewinner aus der Corona-Krise hervorgehen. "Im Reich der Mitte weiß man sehr genau, dass die Dollar-Hegemonie im Welthandel und auf den Finanzmärkten Amerikas größter Vorteil ist", sagt Bruns. Man werde also versuchen, den Yuan auf diese Bühne zu hieven. (fp)