Investoren blicken auf ein Börsenjahr der Extreme zurück. Auf den Covid-Crash im März 2020 folgte eine atemberaubende Erholung. Manche Marktbeobachter befürchten, dass sich die Börsen inzwischen völlig von der Realwirtschaft entkoppelt haben. Übertreibungen nach oben wie nach unten gehören aber zum Wesen der Märkte, erklärt Christoph Bruns, Vorstand der Investmentboutique Loys. Mit Blick auf die ultralockere Geldpolitik der großen Notenbanken hält er die Preissteigerungen bei Sachwerten wie Aktien und Immobilien im Kern für berechtigt.

Bruns sieht nicht die Gefahr, dass sich am Aktienmarkt eine Blase bildet. Gleichwohl findet er die Preise einzelner Titel inzwischen deutlich überzogen. "Die sensationelle Kursentwicklung des Elektroautobauers Tesla mag das Gesicht einer solchen Übertreibung sein", sagt er. "Die Kalifornier haben mittlerweile einen höheren Börsenwert als alle anderen großen Autohersteller zusammen." Auch andere Aktien aus dem Technologiesektor sowie einige Titel aus dem Wasserstoffbereich sieht der Loys-Experte kritisch.

Trubel am Terminmarkt
Das Paradebeispiel dafür, wie wild es zeitweise an den Finanzmärkten zugehen kann, waren im vergangenen Jahr aber nicht die allzu beliebten Tech-Aktien, sondern Trends an den Energiebörsen. "Welche temporären Ausschläge möglich sind, konnte man am Terminmarkt für Rohöl betrachten, wo im März kurzzeitig sogar negative Preise für das schwarze Gold aufgerufen wurden", sagt Bruns. Per Saldo büßte die Sorte Brent im Laufe des Jahres gut ein Fünftel an Wert ein.

Ganz anders sah es dagegen beim Erdgas aus: Unter starken Schwankungen habe dessen Preis vor allem in Europa um bis zu 80 Prozent zugelegt, berichtet Bruns. "Die Verbraucher werden das im Winter zu spüren bekommen", warnt er. Von einzelnen Übertreibungen abgesehen haben sich zuletzt aber auch die Rohstoffmärkte erstaunlich robust gezeigt, urteilt der Vermögensprofi. Seiner Einschätzung nach war das vor allem der raschen Wirtschaftserholung in China zu verdanken. (fp)