Wer sich schon einmal mit Börsenpsychologie befasst hat, weiß: Anleger erliegen oft dem Herdentrieb. Dabei orientieren sie sich, ähnlich wie Schafe, an einem Leithammel – klingt uncharmant, ist aber so. Ein solches Verhalten führt unweigerlich zu gleichartigen Mustern, erklärt Christoph Bruns, Teilhaber und Fondsmanager der Investmentboutique Loys. Weiß man, wohin der Leithammel rennt, weiß man auch, in welche Richtung sich die Herde als nächstes bewegt. Das Leittier ist in dieser Analogie die Wall Street. Und die lenkt ihre Schritte momentan in Richtung Value, berichtet Bruns.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass die seit Jahren zurückbleibenden Werte aus herkömmlichen Industriebranchen eine Aufholjagd starten", sagt der Fondsprofi. Er rechnet damit, dass dieser Trend aus den USA auch in Deutschland ankommen wird – wenn auch mit Verspätung. "Angesichts einer verstümmelten Aktienkultur in Deutschland setzt der Dax in der Regel mit Verzögerung die Vorgaben aus New York um", erklärt er. 

Tech-Aktien zunächst weiter Spitze
In den vergangenen Jahren haben Wachstumstitel Substanzaktien klar den Rang abgelaufen, angeführt von großen Technologiewerten wie Apple, Netflix und Facebook. "Auch in diesem Jahr sind diese Titel per Saldo trotz Corona-Pandemie gestiegen und begeben sich mittlerweile wieder auf Rekordjagd", sagt Bruns. Die Krise könnte allerdings zu einem Umdenken führen, schätzt er: Anleger könnten wieder mehr Wert auf starke Bilanzen legen und sich mithin stärker auf Value-Aktien fokussieren. (fp)