Für europäische Luxusaktien dürfte diese Berichtssaison zur Zäsur werden – sie offenbart eine sich vertiefende Kluft zwischen starken und schwächelnden Marken.

Den Anfang machte der britische Trenchcoat-Spezialist Burberry mit robusten Quartalszahlen: Die Aktie legte zeitweise um bis zu neun Prozent zu. Auch Richemont, der Eigentümer von Cartier, überraschte positiv mit besser als erwarteten Umsätzen.

Weniger optimistisch blicken Analysten auf die bevorstehenden Zahlen von LVMH, Kering und Salvatore Ferragamo. Sollten die Umsätze dieser Konzerne selbst die bereits gedämpften Erwartungen verfehlen, drohen weitere Kursverluste. Schon jetzt hat der diesjährige Abverkauf bis zu 175 Milliarden Euro an Marktwert vernichtet.

"Es wird keine allgemeine Aufholjagd für die gesamte Branche geben", sagte Stefan-Günter Bauknecht, Senior-Portfoliomanager bei der DWS. "Es hängt wirklich von der Kategorie ab und davon, wie die Marke in dieser Kategorie wahrgenommen wird."

LVMH verliert an Boden – Hermès trotzt dem Markttrend
Besonders deutlich wird die Divergenz beim Vergleich von LVMH und dem französischen Rivalen Hermès: Analysten rechnen bei LVMH im Segment Mode und Lederwaren mit einem Umsatzrückgang von 7,8 Prozent im zweiten Quartal. Die Zahlen werden am Donnerstag (24.7.) erwartet. Hermès wiederum wird seine Ergebnisse am 30. Juli vorlegen – mit einem prognostizierten Umsatzplus von zwölf Prozent im Lederwarengeschäft.

LVMH, Eigentümer von Louis Vuitton und Tiffany & Co., hat in den vergangenen zwei Jahren rund die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt und die Position als Europas größte Aktie verloren. Hauptgrund: Die drastisch rückläufige Nachfrage in China. Die Hermès-Aktie hingegen zeigte sich robust – nach einem Kursplus von 160 Prozent seit Ende 2020 stagnierte sie im laufenden Jahr nahezu. Der von Goldman Sachs zusammengestellte Luxustitel-Korb ist hingegen um sieben Prozent gefallen.

Markenstärke und Preismacht als Schlüssel
"In der aktuellen Wirtschaftslage ist die Preissetzungsmacht entscheidend", sagte Helen Jewell, Chief Investment Officer für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Blackrock Fundamental Equities.

"Die Herausforderung für Anleger bestand darin, dass einige der Unternehmen, denen wir eine größere Markenstärke zugeschrieben hatten, sich als nicht so stark erwiesen haben", so Jewell weiter. Zwar gebe es nach dem Ausverkauf vereinzelt Kaufgelegenheiten – jedoch müsse man "selektiv vorgehen".

Von Boomjahren zur Realität: Die neue Normalität
Noch zwischen 2021 und 2023 galten europäische Luxusaktien als Must-have für Investoren, die auf die Konsumwelle nach der Pandemie setzten. Doch angesichts der schwachen Konjunktur in China ist diese Dynamik weitgehend verpufft – nur wenige Marken konnten ihre Wachstumsdynamik bewahren.

Zu den bisherigen Gewinnern 2025 zählt die Burberry-Aktie: Sie legte um über 30 Prozent zu. Der Sanierungskurs der britischen Marke sowie die Fokussierung auf Outerwear-Produkte sorgen für neue Impulse im Kundenstamm.

Bewertung bleibt hoch – trotz Kurskorrektur
Manche Investoren halten die Bewertungen im Luxussegment weiterhin für ambitioniert. "Bloomberg"-Daten zufolge liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der Branche bei 27 – das entspricht einem Aufschlag von knapp 85 Prozent gegenüber dem breiten Markt und liegt über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt.

"Dies ist ein Sektor, der vollständig den Zöllen und dem schwachen Dollar ausgesetzt ist", sagte Roland Kaloyan, Leiter der europäischen Aktienstrategie bei Société Générale. "Es wird ziemlich schwierig werden, daher bleibe ich bei meiner Untergewichtung." (mb/Bloomberg)