Es naht die Zeit der Wunschzettel, doch Anleger sollten ihre Renditeerwartungen besser herunterschrauben. Zum Ende des Jahres dürften die Gewinnchancen an den Aktienmärkten schrumpfen, sagt Florence Barjou, Investment-Chefin von Lyxor Asset Management (Lyxor AM). Sie hat deshalb die Aktiengewichtung in ihren Portfolios auf "neutral" gesenkt. "Die Inflationsgeschichte wird umgeschrieben", kommentiert sie das Marktumfeld. "Der Preisdruck entsteht nun Hand in Hand aus Lieferengpässen bei Waren und den Verbraucherausgaben."

Im Laufe des Sommers haben sich sowohl das Umfeld für Investoren als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert, sagt die Anlageexpertin. "Der Gegenwind für risikoreiche Anlagen hat zugenommen. Folglich sahen wir uns veranlasst, unsere Positionen auf neutral zurückzustufen." Angesichts der höheren Schwankungen am Markt habe sich die Risikoprämie von Aktien und ähnlichen Anlagen verschlechtert, das Aufwärtspotenzial bis zum Jahreswechsel sei begrenzt.

China bleibt ein Risiko
Die Lyxor-AM-Expertin geht davon aus, dass die Wirtschaft zwar weiterhin wächst, aber mit gebremstem Schwung. "Der Höhepunkt des Wachstums liegt nun hinter uns und wir sehen erhöhte Abwärtsrisiken", sagt sie. Dazu gehören in ihren Augen die strengere Regulierung und die gestiegene Unsicherheit in China. Die Entwicklung im Reich der Mitte könnte die globale Konjunktur belasten. Auch die Covid-19-Pandemie bleibt ein Abwärtsrisiko, ebenso die gestiegene Inflation.

"Nach einem starken Börsenjahr spricht das aktuelle Umfeld generell für Gewinnmitnahmen und eine Risikoreduzierung in unseren Portfolios", resümiert Barjou. Aktien sind bei Lyxor AM derzeit neutral, Staatsanleihen untergewichtet. Regional präferiert die Anlageexpertin nach wie vor Europa. In Schwellenländern geht sie selektiv vor. (fp)