Der Streit zwischen den USA und China wird sich wahrscheinlich verschlimmern, da Präsident Donald Trump wahrscheinlich nicht viel Gegenwind zu seinen Einfuhrzöllen zu spüren bekommen wird, sagte Schwellenländer-Experte Mark Mobius in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Denn die inflationären Effekte der Zölle würden in eine Zeit geringer Arbeitslosigkeit in den USA mit steigenden Löhnen zusammenfallen werden, erläuterte Mobius.

Dies könnte auch die Emerging-Markets belasten. Diese stehen ohnehin schon im Feuer. Denn seit die Notenbanken Fed und EZB ihre Geldpolitik auf ein normales Maß zurückfahren, verknappt sich die Liquidität an den Märkten. Das belastete die Schwellenländer seit Jahresbeginn, ebenso wie der steigende Dollar und sich verschlechternde Handelsbedingungen.

"Von billigem Geld abhängig"
Die Turbulenzen könnten sich zu einer weltweiten Abschwung auswachsen, warnt Mobius. "Es ist keine Frage, dass wir früher oder später eine Finanzkrise erleben werden, weil wir nicht vergessen dürfen, dass wir aus einer Zeit des billigen Geldes kommen. Für viele Unternehmen, die für ihren Fortbestand von billigem Geld abhängig sind, wird es echt Druck geben", sagte der Starinvestor in dem Interview.

Der MSCI Emerging Markets Index werde wahrscheinlich um weitere zehn Prozent gegenüber dem gegenwärtigen Niveau fallen, prognostiziert Mobius. Damit würde die Benchmark, die von einem Höchststand Ende Januar bereits um 16 Prozent gesunken ist, in einen Bärenmarkt eintreten. Der Manager hatte die Fondsgesellschaft Franklin Templeton verlassen und gründete mit Weggefährten eine eigene Gesellschaft: Mobius Capital Partners (lesen Sie auch das ausführliche Interview in FONDS professionell 2/2018 ab Seite 102 oder hier im E-Magazin).

Einbruch als Kaufgelegenheit
Trotz des düsteren Szenarios sieht der 81-Jährige den Einbruch als Kaufgelegenheit. Als potentielle Gewinner eines Handelskriegs sieht Mobius etwa Indien wegen seiner Industrie; Südkorea wegen seiner Hochtechnologie; Brasilien als Agrar-Produzent, Argentinien wegen des Sojabohnen-anbaus sowie Vietnam als Schuh-Hersteller und Bangladesch als Bekleidungsproduzent. (kb)