Marktausblick 2026: Metzler setzt auf europäische Aktien
Das Bankhaus Metzler rechnet für 2026 mit mittlerem einstelligen Kurswachstum bei Aktien, im Private-Banking-Portfolio sind Titel aus Europa hoch gewichtet. Am Anleihenmarkt erwartet Metzler ein anhaltend hohes Renditeniveau.
Das Marktumfeld verändert sich rasch, geopolitische Spannungen und technologischer Fortschritt bestimmen die tägliche Nachrichtenlage. Viele dieser Entwicklungen hätten weitreichende Konsequenzen für die Finanzmärkte und erfordern die Aufmerksamkeit der Investoren, sagt Gerhard Wiesheu, Vorstandssprecher beim Bankhaus Metzler und Leiter des Private Banking. Das Bankhaus stellte am Donnerstag (6.11.) seinen Marktausblick und die Investmentstrategie für 2026 vor.
Schwächere US-Konjunktur
Die Konjunkturdynamik in den USA dürfte sich nach Einschätzung der Metzler-Analysten 2026 abschwächen. Der fiskalische Spielraum sei gering, höhere Zölle würden tendenziell den privaten Konsum belasten, und die anhaltende politische Unsicherheit hemme Investitionen. Zuletzt habe zwar der Bau von Datenzentren dynamisch angezogen, ein KI-induzierter Produktivitätsschub in der Gesamtwirtschaft lasse jedoch noch auf sich warten. Angesichts der restriktiven Einwanderungspolitik von Donald Trump würden Effizienzsteigerungen dringend gebraucht, um das Wachstumspotenzial der USA mittelfristig stabil zu halten.
In der Eurozone könnte die Wirtschaft hingegen wieder etwas Fahrt aufnehmen, heißt es. Zwar stellen der stärkere Euro, zusätzliche Zölle und Konkurrenzdruck aus Fernost eine Belastung dar. Die europäische Binnenwirtschaft profitiere jedoch von niedrigeren Zinsen, gesunkener Arbeitslosigkeit in vielen Mitgliedstaaten und zunehmenden Fiskalausgaben für Verteidigung und Infrastruktur in Deutschland.
Die Leitzinsen könnten bis Ende 2026 in den USA auf 3,25 Prozent und in der Eurozone sogar unter zwei Prozent sinken. Dennoch dürften die Renditen langfristiger Anleihen angesichts gestiegener Risikoprämien hoch bleiben. Die durchschnittliche laufende Rendite eines diversifizierten Anleiheportfolios – bestehend aus Staats- und Unternehmensanleihen mit guter Bonität und fünf bis zehn Jahren Laufzeit – liegt in der Eurozone derzeit bei rund drei Prozent und in den USA bei 4,5 Prozent.
Aktienmarkt mit gemäßigterem Tempo
Am Aktienmarkt sei die laufende Vergütung für Aktionäre in Europa attraktiver als in den USA: In Europa beträgt laut Metzler die Aktionärsrendite, bestehend aus Dividenden und Aktienrückkäufen, mehr als vier Prozent, während sie in den USA lediglich rund 2,5 Prozent beträgt. In beiden Regionen sieht Metzler für das kommende Jahr ein mittleres einstelliges Kurspotenzial, abgeleitet von den Schätzungen für die Unternehmensgewinne. Im Aktienportfolio von Metzler Private Banking liegt der Fokus auf europäischen Titeln, die mit rund 60 Prozent gewichtet sind, während US-amerikanische Aktien etwa 40 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. (jh)
















