Investoren vertrauen darauf, dass die Biotech- und Pharmaindustrie Ergebnisse zur Bewältigung der Corona-Pandemie präsentieren wird. Das ließ beispielsweise Aktien von Biontech und Gilead Sciences, die an entsprechenden Impfstoffen und Medikamenten forschen, steigen und brachte auch dem Pharmariesen Roche, der einen Antikörpertest produziert, kräftige Kursgewinne. Viele Manager der Biotech- und Gesundheitsfonds sehen "Corona-Aktien" allerdings kritisch, weil Umsätze und Margen bei Impfungen und Tests häufig enttäuschen. Aussichtsreich bleiben aber weiterhin kleinere und mittelgroße Unternehmen, da sie insgesamt das Gros der Innovationen liefern. Davon ist auch Mario Linimeier überzeugt, der unter anderem den von Medical Strategy verantworteten Aktienfonds Medical Biohealth managt. Wir haben mit ihm über die aktuelle Ausrichtung des Fonds gesprochen.


Herr Linimeier, wie sind Sie bisher mit dem Medical Biohealth durch die Krise gekommen?

Mario Linimeier: Was die Performance des Fonds angeht, sind wir durchaus zufrieden. Trotz der Krise beträgt der Wertzuwachs im Medical Biohealth per Ende Mai etwas mehr als neun Prozent seit Jahresanfang. Damit liegen wir in der Kurzzeitbetrachtung in etwa gleichauf mit unserem Vergleichsindex, dem Nasdaq Biotechnology. Seit Auflegung des Fonds im Jahr 2000 haben wir für unsere Anleger eine Performance von mehr als 440 Prozent erzielt und damit den Nasdaq Biotech Index um circa 280 Prozentpunkte geschlagen.

Welche Veränderungen haben Sie im Zuge der Krise im Portfolio vorgenommen?

Linimeier: Zu Beginn der Krise haben wir die Cash-Quote erhöht und vermehrt auf die entsprechende Gewichtung höher kapitalisierter Werte geachtet. Insgesamt aber hält der Fonds unverändert an seiner bewährten Strategie fest, gezielt in Innovationsführer im Small- und Mid-Cap-Segment zu investieren, die ein attraktives Chance-Risiko-Profil aufweisen. Wir investieren in echte Innovationsträger, die bahnbrechende Medikamente entwickeln und neue therapeutische Standards etablieren können. Solche Unternehmen haben eine hohe Preissetzungsmacht und bieten Anlegern sehr attraktive Renditechancen. Vielversprechende Investment-Kandidaten finden wir beispielsweise im Bereich der zielgerichteten Krebstherapie. Ebenfalls attraktiv sind Unternehmen, die Therapien zur Behandlung seltener Erkrankungen entwickeln.

Sind Sie auf der Suche speziell nach so etwas wie Krisengewinnern oder sind Sie auf der Jagd nach dem Gewinner im Rennen um Corona-Impfstoffe oder -Medikamente?

Linimeier: Covid-19-Player stellen eine kleine Beimischung, aber nicht das zentrale Investmentthema im Fonds dar. Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Suche nach wirksamen Medikamenten und Impfstoffen hat umfassende Börsen-Spekulationen befeuert. Schon geringste Entwicklungsfortschritte oder -fehlschläge führen zu heftigen Kursausschlägen der jeweiligen Covid-19-Player. Zudem müssen Sie sich vergegenwärtigen, dass für Medikamente und Impfstoffe zusammengerechnet momentan mehr als 500 verschiedene Projekte laufen – Tendenz steigend. Derzeit ist noch unklar, wer unter den Arzneimittelherstellern das Rennen macht. Aufgrund der hohen Entwicklungsdynamik und der sehr hohen Wettbewerbsintensität können wir Nicht-Experten von Spekulationen in diesem Bereich nur abraten.

Was erwarten Sie in Bezug auf die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten beziehungsweise Ihr spezielles Anlageuniversum, und wie stellen Sie sich darauf ein?

Linimeier: Die aggressive Geld- und Fiskalpolitik beflügelt gegenwärtig die Aktienmärkte. Zudem ist der Markt sehr optimistisch, dass rasch ein wirksamer Impfstoff zur Überwindung der Corona-Krise gefunden wird. Die bisherigen Daten zur Wirksamkeit der in der Entwicklung befindlichen Impfstoff Kandidaten sind allerdings noch viel zu jung, um hier eine Prognose über den Zeitpunkt der Verfügbarkeit eines ausreichend wirksamen Corona-Vakzins abgeben zu können. Gleichzeitig hat die Corona- Pandemie zu starken wirtschaftlichen Verwerfungen geführt.

Welche Konsequenzen wird das Ihrer Ansicht nach haben?

Linimeier: Die Schere zwischen Börsenkursen und realwirtschaftlichen Entwicklungen geht derzeit stark auseinander. Deshalb ist für den Gesamtmarkt Vorsicht geboten. Insgesamt dürfte die Biopharma-Branche gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. In der Vergangenheit stand die biopharmazeutische Industrie häufig in der Kritik wegen angeblich zu hoher Medikamentenpreise. Jetzt gelten Biopharma-Unternehmen in der Corona-Pandemie als ein wesentlicher Teil der Lösung zur Überwindung der Krise. Gleichzeitig ist die Biotechnologie-Branche im Vergleich zur Vergangenheit deutlich reifer geworden und bietet langfristig orientierten Anlegern hervorragende Wachstumsperspektiven. (hh)