Bitcoin ist im asiatischen Handel am Mittwoch (1.7.) auf ein neues 21-Monats-Tief gefallen. Die Kryptowährung verlor zeitweise 1,5 Prozent auf 57.742 US-Dollar und erreichte damit den niedrigsten Stand seit dem 17. September 2024. Später verringerte Bitcoin die Verluste. Die Aussicht auf höhere US-Leitzinsen und neue Sorgen um den Bitcoin-Großinvestor Strategy belasten die Stimmung am Markt.

Zinssorgen und ETF-Abflüsse
Äußerungen von Vertretern der Federal Reserve schüren die Erwartung höherer Zinsen. Das lenkt Kapital von Anlagen wie Kryptowährungen ab, die keine laufenden Erträge abwerfen. Anleger zogen im Juni mehr als vier Milliarden Dollar aus in den USA notierten Bitcoin-ETFs ab. Einen solch starken Mittelabfluss gab es seit der Einführung der börsengehandelten Bitcoin-Fonds vor zwei Jahren noch nie.

Bitcoin habe "zunehmenden Gegenwind durch veränderte Erwartungen an die Zinspolitik der Fed und einen stärkeren US-Dollar" erlebt, sagte Tony Sycamore, Analyst bei IG Australia. Der US-Arbeitsmarktbericht außerhalb der Landwirtschaft, der später in dieser Woche veröffentlicht wird, "könnte zusätzlichen Druck ausüben, wenn er den restriktiven Kurs der Fed bestätigt".

Strategy sorgt für Verunsicherung
Zudem haben Anleger ihre anfängliche Zustimmung zur Neuausrichtung der Finanzierung von Strategy zurückgenommen. Das schürt neue Sorgen, dass einer der größten Bitcoin-Käufer künftig keine verlässliche Quelle der Nachfrage mehr sein könnte.

Anleger begrüßten zunächst die Aussicht auf Aktienrückkäufe und eine größere Liquiditätsreserve. Der Fokus verlagerte sich jedoch rasch auf die neue Flexibilität von Strategy, Bitcoin verkaufen und das Bilanzmanagement gegenüber einer konsequenten Akkumulation priorisieren zu können.

Vom Rekordhoch bei über 126.000 Dollar im Oktober vergangenen Jahres ist Bitcoin inzwischen mehr als 50 Prozent gefallen. Die Kryptowährung notiert unter ihrem gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt. Dieses technische Niveau kann auf einen länger anhaltenden Bärenmarkt hindeuten.

Falkenhafte Fed setzt Bitcoin zu
Auf seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Vorsitzender im vergangenen Monat machte Kevin Warsh deutlich, dass die US-Notenbank eine hohe Inflation nicht tolerieren werde. Das verstärkte die Erwartungen höherer Zinsen und stützte den Dollar.

Auch andere Vertreter der Fed haben zuletzt auf die Möglichkeit einer strafferen Geldpolitik hingewiesen. Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, sagte am Dienstag (30.6.) gegenüber "CNBC", die US-Notenbank müsse die Zinsen möglicherweise anheben, um die Inflation auf ihr Ziel von zwei Prozent zurückzuführen.

Makroumfeld belastet
"Der Fall auf neue Tiefstände wirkt eher wie eine Fortsetzung des makroökonomischen Umfelds, das Kryptowährungen belastet, als die Folge eines einzelnen neuen Schocks", sagte Xin Song, Chief Executive Officer von GSR.

"Der wichtigste Treiber ist die risikoscheue Positionierung angesichts einer Falken-Fed. Die hohen Inflationsdaten in der vergangenen Woche haben Zinssenkungen praktisch ausgeschlossen, während der Markt nun eher mit möglichen Zinserhöhungen vor Jahresende rechnet. Ein starker Dollar und höhere Renditen schaffen ein schwieriges Umfeld für eine Anlage ohne laufende Erträge wie Bitcoin." (mb/Bloomberg)