Zuletzt schienen sich die Wolken über Deutschlands Wirtschaft zunehmend zu verdunkeln: Eine Gewinnwarnung jagte die andere. Auch in dieser Woche stehen noch einige Halbjahresberichte an – und schüren bei Investoren die Angst vor weiteren Hiobsbotschaften. Marc Decker, Anlagestratege bei Merck Finck Privatbankiers, mahnt dagegen zur Ruhe: So schlimm, wie die Schlagzeilen vermuten lassen, sei es um die Unternehmen nicht bestellt. Im Gegenteil: "Die Bewertungen sind durch die jüngsten Kursverluste wieder günstiger geworden. Weitere mögliche Kursrückgänge würden die Bewertungen sogar nochmals attraktiver machen", sagt Decker.

Einzelne Meldungen über Gewinnwarnungen wurden aus Sicht des Experten zuletzt zu stark aufgebauscht. Das negative Bild, das sich dadurch ergibt, würde der Realität nicht entsprechen: "Natürlich existieren diverse Störfaktoren, wie geopolitische Themen, Handelsstreitigkeiten und kernige Präsidenten-Tweets. Zu glauben, Deutschland befände sich schon mitten in der Rezession ist unseres Erachtens jedoch ein Trugschluss", sagt Decker. Die deutsche Wirtschaft habe keine Lungenentzündung, sondern allenfalls einen Schnupfen.

Analysten rechnen mit Gewinnwachstum
Anlegern empfiehlt er zur Beruhigung den Blick in die Statistik: Das zweite Quartal 2019 war das beste Berichtsquartal seit zwei Jahren. "In Europa haben immerhin 40 Prozent aller Unternehmen die Gewinnerwartungen übertroffen, weitere 40 Prozent haben sie weitgehend erfüllt – nur ein Fünftel der Firmen hat enttäuscht", sagt Decker. In Deutschland sei das Bild vielleicht etwas negativer, doch das auch nur aufgrund der besonderen Herausforderungen der Autoindustrie. Mit etwas Abstand betrachtet gehe es den deutschen Unternehmen noch immer gut. "Für die im deutschen Leitindex Dax gelisteten Unternehmen rechnen die Analysten in der Breite derzeit mit einem soliden Gewinnwachstum für das kommende Jahr." (fp)