China gilt als Motor der Weltwirtschaft, auch in der Coronakrise. Einige Indikatoren deuten allerdings darauf hin, dass die chinesische Wirtschaft zurzeit nicht so stark wächst wie erhofft. Demnach sind wichtige Konjunkturdaten wie das Bruttoinlandsprodukt, Umsätze des Einzelhandels und die Industrieproduktion zuletzt eher schwach ausgefallen. "Die chinesische Regierung ist anscheinend bei ihren Bemühungen, die Verschuldung einzudämmen, zu stark auf die Bremse getreten", meint Edgar Walk, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Metzler Asset Management. 

Offenbar wollte die Regierung in Peking Fehler aus der Vergangenheit vermeiden: Nach der schweren Rezession im Jahr 2009 stimulierte China seine Wirtschaft massiv mit geldpolitischen Maßnahmen, um sie möglichst schnell wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Folgen waren aber vor allem eine hohe Verschuldung sowie ein Anstieg der Inflation auf 6,6 Prozent im Jahr 2011 und damit verbundene Unruhen innerhalb der Bevölkerung.  

Sinkende Inflation schafft Spielraum 
In dieser Krise gibt sich China dagegen sehr zurückhaltend. Das hat dazu geführt, dass die Inflation von 1,2 Prozent im Mai auf 1,1 Prozent im Juni sogar gesunken ist. Abnehmende Verbraucherpreise verschaffen der Regierung mehr Möglichkeiten, der eigenen Konjunktur nochmal einen größeren Schub zu verleihen: So eröffnet Chinas Notenbank den Geldhäusern mehr Freiraum für Kredite, indem die Institute künftig weniger Kapital als Mindestreserve halten müssen.  

Spannend für Anleger könnten die Kreditdaten sein, die im Laufe dieser Woche veröffentlicht werden, meint  Chefvolkswirt Walk. "Interessanterweise reagieren die Finanzmärkte weltweit darauf, da daraus der Kreditimpuls abgeleitet wird – und der ist ein zuverlässiger Frühindikator für die chinesische Konjunktur", sagt der Volkswirt. (fp)