Die bislang veröffentlichten Haushaltspläne der italienischen Regierung könnten große Ratingagenturen schon bald dazu zwingen, Italien auf BBB- herabzustufen – die letzte Stufe der Investment-Grade-Skala. Dafür gibt es laut Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, mehrere Anzeichen: In den kommenden drei Jahren strebt die italienische Regierung offenbar ein Budgetdefizit von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an. "Damit dürfte sich die Staatsverschuldung von mehr als 130 Prozent des BIP allenfalls stabilisieren", warnt Walk. Darüber hinaus ist durchgesickert, dass die zusätzlichen Staatsausgaben überwiegend dazu beitragen sollen, die Konsumausgaben zu erhöhen. Investitionen für die Zukunft sind nicht berücksichtigt. "Auch gibt es keine Anzeichen für echte Strukturreformen", kritisiert der Ökonom.

Am 15. Oktober wird sich zeigen, wie belastbar Roms Haushaltsentwurf tatsächlich ist. An diesem Tag muss Italiens neue Regierung der EU-Kommission den Entwurf nämlich mit allen Details präsentieren. Neben der Belastbarkeit des Entwurfs stellt sich allerdings die grundsätzliche Frage, ob steigende Staatsausgaben positive Effekte auf die Konjunktur haben. Die gestiegenen Zinsen, eine Folge der unverantwortlichen Fiskalpolitik, belasten jedenfalls die Wirtschaft und das Bankensystem, warnt Walk.

Robuster Arbeitsmarkt in der Eurozone
Trotz der Probleme in Italien zeigt sich die Eurozone insgesamt stabil. Der Blick auf den Arbeitsmarkt ist erfreulich: Die Arbeitslosenquote fiel im August auf nur noch 8,1 Prozent. Die Konjunkturdaten wie die Einkaufsmanagerindizes der Industrie und des Dienstleistungssektors signalisieren, dass die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen anhaltend hoch ist. "Es bestehen gute Chancen, dass die Arbeitslosenquote im Mai oder Juni 2019 auf 7,3 Prozent fallen könnte", sagt Walk. (fp)