Der langfristige Wachstumstrend einer Volkswirtschaft wird von zwei Faktoren bestimmt: Bevölkerungs- und Produktivitätswachstum. In den kommenden Jahren wird das Bevölkerungswachstum in Deutschland sinken. Das bedeutet indes nicht, dass automatisch auch das Produktivitätswachstum abnimmt, sagt Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management. Studien zeigen: In den Ländern, in denen die ältere Bevölkerung in Relation zur jüngeren zunimmt, hat sich das Produktivitätswachstum zwischen 1990 und 2015 sogar beschleunigt.

Eine Erklärung dafür ist, dass sich Unternehmen dazu gezwungen sahen, die ausbleibenden jungen Arbeitskräfte durch Roboter und andere Technologien zu ersetzen. In Ländern mit einer stark alternden Bevölkerung ist der Einsatz von Robotern deutlich gestiegen. "Somit bestehen gute Chancen für Deutschland, dass das Produktivitätswachstum in den kommenden zehn Jahren sogar steigt und das Wachstum möglicherweise nur geringfügig sinkt", sagt Walk.

Günstiges Umfeld schaffen
Maßgeblich für eine solche Entwicklung ist allerdings ein positives Investitionsklima. "Die neue digitale Welt stellt nämlich hohe Anforderungen an die Finanzierung und an staatliche Unterstützung", erklärt der Ökonom. Viele Investitionen in neue Technologien sind so speziell, dass sie nicht als Sicherheit für Kredite hinterlegt werden können. "Die Eigenkapitalfinanzierung muss daher eine deutlich größere Rolle spielen als bisher, vielleicht auch mit staatlicher Unterstützung." (fp)