Die enorme Ausweitung der Zentralbankbilanzen, kombiniert mit den umfangreichen Konjunkturpaketen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie, könnte in naher Zukunft zu Inflation führen. Für sichere, langlebige Anlagen mit hohen Ratings und für auch unterkapitalisierte Unternehmen ist dieses Umfeld mehr als unvorteilhaft. "Es deuten viele Zeichen darauf hin, dass die 2020er-Jahre ein Value-Jahrzehnt werden könnten", sagt deshalb Richard Halle, Aktienfondsmanager bei der Fondsgesellschaft M&G Investments.
 
Der Anlageprofi begründet seine Einschätzung vor allem damit, dass eine Reihe von grundlegenden Einflussfaktoren dabei sind, an Schwung zu verlieren oder sogar schon den Rückwärtsgang eingelegt haben. Dazu zählt vor allem der Nullzins-Effekt. "Das zu Ende gehende Jahrzehnt der langlebigen, stabilen und sicheren Vermögenswerte nährte sich in erster Linie vom 40-jährigen Abwärtstrend der Zinssätze. Die haben nun in den meisten großen Volkswirtschaften ihren Nullpunkt erreicht", sagt Halle. Darüber hinaus scheine es Einigkeit zu geben, dass der Flirt mit negativen Zinssätzen nicht dauerhaft ist. "Dieser starke langjährige Einflussfaktor ist also so gut wie ausgeschöpft." Hinzu komme das unglaublich große Bewertungsgefälle an den Märkten.
 
Naht das Ende der FAANG-Ära?
Zu den als sicher geltenden Vermögenswerten der vergangenen zehn Jahre gehörten auch die neuen Monopolisten Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google. Die unter der Abkürzung FAANG bekannten Unternehmen zogen mit ihrem scheinbar unaufhaltsamen Aufwärtstrend lange eine breite Fangemeinde von Investoren an. Halle hält es zwar für möglich, dass die Anlegerlieblinge weiterhin vom starken Kreislauf profitieren, bei dem der Anstieg der Aktienkurse das Sicherheitsgefühl der Anleger verstärkt und umgekehrt. "Wir halten es jedoch für wahrscheinlicher, dass der Markt in der veränderten Welt der 2020er-Jahre eine vergessene Lektion neu lernen wird: die bedeutende Rolle der Bewertung der Unternehmen." (fp)