Der Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt eskaliert weiter: Am Montag (6. August) hat das US-Justizministerium China offiziell der Währungsmanipulation beschuldigt. Vor drei Monaten sah das noch ganz anders aus: In einem im Mai veröffentlichten Bericht des Ministeriums war von Manipulation noch nichts zu lesen – und das, obwohl China schon seit einiger Zeit auf der Beobachtungsliste steht. "Nach den jüngsten Schätzungen des US-Finanzministeriums – China veröffentlicht keine Daten – hat das Land während des letzten Jahres nur selten unwesentlich in seine Währung eingegriffen", sagt Claudia Calich, Fondsmanagerin bei M&G Investments.

Im Gegenteil: China verkaufte sogar US-Dollar-Reserven, um in den Jahren 2015 und 2016 eine schnellere Abwertung zu verhindern. Zudem verschärfte das Land die Kapitalkontrollen weiter. "Auf Basis der Daten der Zentralbank der Volksrepublik China glauben wir nicht, dass sie seitdem wesentlich interveniert hat, um die Währung zu schwächen", sagt Calich.

Datenlage ist mau
Das US-Finanzministerium ist der Ansicht, dass Chinas Kapitalreserven unangemessen hoch sind. Für ein Land mit Kapitalverkehrskontrollen mag das zutreffen. "Da aber China bestrebt ist, seine Kapitalbilanz schrittweise zu öffnen, scheint das Niveau nicht übertrieben zu sein", sagt die Expertin. Mit 3,1 Billionen US-Dollar sind die Kapitalreserven seit 2017 relativ stabil. Seit Mai scheint sich somit nichts geändert zu haben, außer dass sich der Handelskrieg zwischen beiden Ländern verschärft hat. "Das Timing hängt viel stärker damit zusammen", ist Calich darum überzeugt. (fp)