Sogenannte Hochzinsanleihen bieten – anders als ihr vielklingender Name es verspricht – meist kaum mehr eine Zinsdifferenz zu Bonds mit sehr guter Bonität. Gleichzeitig befindet sich der  Konjunkturzyklus am Zenit. Zusammen ergibt das eine gefährliche Mischung: Wenn das Wirtschaftswachstum stockt oder einbricht, wird es als erstes im Gebälk des High Yield-Sektors ordentlich krachen. Etliche dieser Unternehmen, die Anleihen mit schlechterer Bonität ausgegeben haben, verfügen nämlich nicht über ein tragfähiges Geschäftsmodell. Sie konnten nur mit Geld von Anleiheninvestoren überleben, die im Tiefzinsumfeld verzweifelt nach höher rentierlichen Alternativen suchten.

"Die Spreads zwischen High Yields und Staatsanleihen bewegen sich unter 300 Basispunkten. Insbesondere in den USA. Die Unternehmensgewinne sind zwar gut, aber ein makroökonomischer-Schock hätte in dem Segment große Auswirkungen. Wir haben ja schon erste Vorfälle gesehen. Italienischen Baufirmen hat der High Yield-Markt bereits die Refinanzierung verweigert und es ist fast sicher, dass diese bald ausfallen werden", so James Tomlins, Manager mehrerer High-Yield-Fonds bei M&G im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Es werde immer schwieriger für "Zombiefirmen", sich zu refinanzieren. Das sind Unternehmen, die in den letzten Jahren ihren Zinsdienst nicht erwirtschaften konnten und nur durch die erneute Aufnahme von Geld überlebten. Laut einer Erhebung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ fallen rund sechs Prozent der Firmen aus 14 Industrienationen in diese Kategorie.

Plagegeister Covenants
Ein kleines Zeichen der Normalisierung am Anleihenmarkt sieht Tomlins bei den so genannten "Covenants". Diese meist komplexen Klauseln in den Vertragsbedingungen, die man bei einer Anleihenemission als Käufer akzeptieren muss – oder im besseren Fall verhandeln kann – sind für die Anleiheninvestoren in den vergangenen Jahren wegen ihrer oft nachteiligen Ausformulierungen zur Plage geworden.

"Man muss sagen, die Covenants sind sehr dürftig, aber immerhin merkt man, dass in den letzten Monaten etwas mehr Disziplin eingekehrt ist", meint der Fondsmanager im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Wenn es um eine Großemission geht, wo man sich als einer von vielen beteiligt, hat man es weiter schwierig, aber bei Nischendeals kann man wieder etwas besser verhandeln".

Banken sind eher ESG-fit
Tomlins blickt bei Unternehmensanleihen nach Europa. Hier haben sich die Spreads etwas ausgeweitet. Insbesondere Banken gefallen dem Manager; Und zwar nicht nur aufgrund von Rendite-Aspekten, sondern auch aus Nachhaltigkeitsgründen: Banken seien punkto Nachhaltigkeit weiter vorn als andere Industrien, hier gebe es grundsätzlich eine bessere Auswahl, so der Experte.

Tomlins managed seit einem Jahr – gemeinsam mit Stefan Isaacs – auch den M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund. Es ist einer der wenigen Fonds am Markt, die Nachhaltigkeit und Hochzinsanleihen verschränken. "Natürlich heißt High Yield, dass wir auch Risiko nehmen. Wir haben zwar keine schlecht aufgestellten Banken aus Ländern mit Problemen. Aber wir kaufen A-Tier-1-Anleihen und Cocos von soliden europäischen Banken". Gemäß den Sicav-Bestimmungen ist das Fondsmanagement bei solchen Titeln auf ein Limit von 20 Prozent beschränkt.

"ESG ist kommerziell wichtig"
Nachhaltigkeit sei im Fondssektor mittlerweile ein unumgängliches Kriterium, das man nicht nur aus weltanschaulichen Gründen, sondern auch aufgrund der Nachfrage nicht mehr ausklammern könne. Große Banken und Vermögensverwalter weltweit würden sich bereits proaktiv an ESG-Kriterien orientieren, "weil es kommerziell wichtig ist". Das gehe idealerweise so weit, dass jeder neue Kunde von vorn herein als voll ESG-integrierter Kunde behandelt wird. "Er muss dann ein Opt-Out vornehmen, wenn er das nicht möchte", so Tomlins. "ESG  ist eine große nötige Komponente, das müssen wir jetzt machen. Im institutionellen Sektor ist ESG wirklich etabliert, beim Retail kann man noch etwas unternehmen", sagt der M&G-Mann im Gespräch. (eml)