Auf den ersten Blick scheint Europas Wirtschaft aus dem Gröbsten raus zu sein. So hat sich die Inflation im Euroraum immerhin von 0,7 Prozent im Oktober 2019 auf 1,4 Prozent im Januar 2020 verdoppelt. Auch der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe scheint die Talsohle im September erreicht zu haben und befindet sich im Aufschwung. Wolfgang Bauer, Fondsmanager im Anleiheteam von M&G Investments, zweifelt dennoch daran, dass die Wende nun geschafft ist. "Es ist viel zu früh für eine Entwarnung", ist der Anlageprofi überzeugt.

Bauer nennt vier Risikofaktoren, die die Aussichten für den Euroraum eintrüben könnten. Erstens das Coronavirus. Zwar sei es noch zu früh, um das volle Ausmaß auf die globale Wachstumsdynamik vorherzusagen. Sollte sich die Situation jedoch verschlechtern, "würde das europäische BIP-Wachstum mit Sicherheit leiden", sagt Bauer.

Ungewisser Ausgang
Auch Handelskriege bleiben ein Unsicherheitsfaktor. Obwohl sowohl die USA als auch China einen konstruktiveren Ton angeschlagen haben, bestehe weiterhin das Risiko einer Verschlechterung oder eines Gesprächsabbruchs, warnt der Experte. Zudem könne die Trump-Administration ihren Fokus schnell nach Europa verlagern. "Immerhin ist Wahljahr in den USA, und protektionistische Maßnahmen sind eine beliebte Politik", sagt Bauer.

Andere Risikofaktoren, die eine Renaissance der europäischen Wirtschaft verhindern könnten, sind der Brexit und das politische Chaos in Italien. Nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU hat nun die elfmonatige Übergangsperiode begonnen – mit ungewissem Ausgang. In Italien steht die Regierung indes trotz der knappen Niederlage von Salvinis Lega bei den Regionalwahlen in der Emilia Romagna weiterhin unter einem immensen Druck. "Ein Zusammenbruch der italienischen Regierung würde Schockwellen durch die europäischen Märkte senden und die ohnehin schon angeschlagene italienische Wirtschaft schwer belasten", sagt Bauer. (fp)