Die Wirtschaft ist im Zuge der Corona-Krise in vielen Teilen der Welt massiv eingebrochen. Angesichts des Ausmaßes könnte man eher von einer Depression als von einer Rezession sprechen, meint Richard Woolnough, Manager des konservative Mischfonds M&G Optimal Income. "Als Depression gilt nach allgemeinem Verständnis ein Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um mindestens zehn Prozent innerhalb von zwei Jahren", erklärt er. Im laufenden Jahr hat der Rückgang der Wirtschaftsleistung diese Marke bereits gerissen.

Ob tatsächlich eine Depression vorliegt, hängt allerdings auch davon ab, inwieweit die staatlichen Interventionen im Dienstleistungssektor verringert werden, sagt Woolnough. "Wann das geschieht, ergibt sich wahrscheinlich aus der Impfstoffentwicklung und Krankenhausversorgung sowie aus saisonalen Effekten und der Kraft des Virus." Bei den ersten beiden Punkten gab es zuletzt gute Neuigkeiten. "Wie bei ähnlichen Pandemien in der Vergangenheit liegt die Vermutung habe, dass das Virus schließlich ein natürliches Ende finden wird, unterstützt durch Maßnahmen zu seiner Eindämmung und Kontrolle", sagt der Fondsmanager.

Turbo-Erholung in Sicht
Ist die Pandemie erst vorbei, dürfte vielen Ländern ein Wirtschaftsboom ins Haus stehen. "Im Gegensatz zu früheren Rezessionen wurde die Finanzlage der Verbraucher insgesamt weniger stark belastet, als man erwarten könnte", sagt Woolnough. "Dank staatlicher Einkommensbeihilfen hat sie sich in den USA in einigen Fällen sogar verbessert." Der M&G-Experte geht davon aus, dass der BIP-Einbruch des laufenden Jahres ab Beginn des kommenden Jahres allmählich kompensiert wird und dass auch die staatlich verordneten Handelsbarrieren dann wieder fallen.

Angesichts der enormen Staatsschuldenlast und des geringen Interesses an staatlichen Sparmaßnahmen ist es zugleich unwahrscheinlich, dass Regierungen und Zentralbanken die Finanzierungsbedingungen verschärfen, schätzt Woolnough. Weil der private Sektor überraschend robust geblieben ist und viele Menschen über hohe Ersparnisse verfügen, geht der Anlageprofi von einem starken Konjunkturaufschwung aus. Sein Fazit: "Eine Depression ist unwahrscheinlich." (fp)