Milliardär rechnet ab: "Großbritannien ist nicht investierbar"
Südafrikanische Investoren kritisieren Großbritannien scharf: Lange Projektlaufzeiten, Fachkräftemangel und wirtschaftliches Missmanagement machen das Land aus ihrer Sicht unattraktiv. Selbst milliardenschwere Familienunternehmer schrecken vor neuen Engagements zurück.
Großbritannien ist nach Ansicht südafrikanischer Investoren mit Engagements in beiden Ländern derzeit kaum investierbar — aufgrund von wirtschaftlichem Missmanagement und extrem langen Vorlaufzeiten für wichtige Projekte.
Schätzungen zufolge werde es drei Jahrzehnte dauern, einen 18 Meilen langen Abschnitt der A66 im Norden Englands zu einer vierspurigen Straße auszubauen, sagte Jonathan Oppenheimer, Spross der Familie, die Anglo American und De Beers zu globalen Bergbaukonzernen aufgebaut hat. Dies sei nur ein Beispiel für die Schwierigkeiten, im Land Geschäfte zu machen.
"Solange Großbritannien 30 Jahre für ein Projekt braucht, das in neun Monaten fertig sein sollte, ist es nicht investierbar", sagte Oppenheimer, Executive Chairman der Investment- und Philanthropiegruppe Oppenheimer Generations, am Dienstag (18.11.) beim "Bloomberg Africa Business Summit" in Johannesburg. Die Geschäfte der Milliardärsfamilie erstrecken sich über Teile des Vereinigten Königreichs, Afrikas und Asiens.
"Ich würde es nicht mit der Kneifzange anfassen"
Magda Wierzycka, Chefin des Finanzdienstleisters Sygnia, der 2019 ein Büro im Vereinigten Königreich eröffnet hat, äußerte sich ähnlich. Sie bezeichnete den Umgang der britischen Regierung mit der Wirtschaft als "Missmanagement". "Ein beängstigendes Land — ich würde es nicht mit der Kneifzange anfassen", sagte sie.
Diese düstere Einschätzung steht im Gegensatz zu Premierminister Keir Starmers Bemühungen, seine Labour-Regierung als eine Kraft des Aufbaus darzustellen. Die Labour-Partei erklärt, sie habe Investitionszusagen in Höhe von 100 Milliarden Pfund vom Private-Equity-Riesen Blackstone gewonnen, die über das nächste Jahrzehnt umgesetzt werden sollen, sowie weitere 50 Milliarden Pfund von anderen US-Unternehmen.
Regierung verweist auf beschleunigte Projektgenehmigungen
Die Regierung vereinfacht derzeit ihr Planungsrecht und hat im ersten Amtsjahr 20 große Infrastrukturprojekte genehmigt, darunter drei neue Startbahnen. Zum Vergleich: Die konservative Vorgängerregierung genehmigte in den fünf Jahren bis 2024 insgesamt 57 Projekte.
Zudem laufen Reformen der Pensionsfonds, um mehr britisches Kapital in lokale Projekte zu lenken. Der Nationale Wohlstandsfonds und die Nationale Wohnungsbau-Bank wurden gegründet, um privates Kapital für gemeinsame Investitionen mit dem Staat in grüne Energie, Infrastruktur und neue Wohnungen zu mobilisieren.
Fachkräftemangel und Brexit belasten das Geschäftsumfeld
Wierzycka sagte jedoch, Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union habe den Zustrom von Fachkräften "im Grunde beseitigt", und mit rund einem Viertel der Bevölkerung in Sozialprogrammen sei das Geschäftsumfeld schwierig geworden.
"Versuchen Sie, einen Kellner zu finden, versuchen Sie, einen Bauarbeiter zu finden – es ist unmöglich, außer man findet Polen", sagte Wierzycka, die in Polen geboren wurde. (mb/Bloomberg)














