Auf den ersten Blick scheint die Geldpolitik in Europa und den USA sehr ähnlich: Beide Notenbanken haben die Zinsen jüngst gesenkt, um die schwächelnde Wirtschaft anzutreiben. Schaut man genauer hin, sind die Parallelen jedoch geringer als gedacht. "Es existieren durchaus Unterschiede in der geldpolitischen Philosophie", schreiben die Analysten von M.M.Warburg in ihrem aktuellen Konjunktur- und Strategiebericht.

So haben die USA ihre Zinssenkung beschlossen, nachdem zuvor eine gewisse Normalisierung der geldpolitischen Instrumente stattgefunden hatte. Dagegen ist Europa zu keinem Zeitpunkt aus dem Krisenmodus herausgekommen. "Während in der Eurozone fast schon dogmatisch geldpolitische Instrumente angewendet werden, die eher für einen monetären Ausnahmezustand gedacht sind, betreibt die Fed eine daten- und sachorientierte, pragmatische Geldpolitik mit allenfalls leichter Tendenz zu einer strukturell expansiven Geldpolitik", schreiben die Analysten.

EZB kann von Fed viel lernen
Dabei hat es auch die Fed im Moment nicht leicht, es allen Recht zu machen; noch während der Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell polterte US-Präsident Trump und forderte eine noch expansivere Geldpolitik. Dabei ist laut den M.M.Warburg-Experten nicht auszuschließen, dass die Fed unter diesem politischen Druck tatsächlich einknickt und in den kommenden Quartalen die Fed Fund Rate etwas weiter nach unten anpasst, als es akademisch betrachtet notwendig wäre.

Trotzdem seien das "Luxussorgen" verglichen mit dem, was die EZB sich leistet, die seit 2012 im extremen "Whatever it takes"-Modus agiert und keine Anstalten macht, dies auf absehbare Zeit zu ändern. "Es stellt sich die Frage, ob die EZB nicht langsam nach Washington schauen sollte, um zu lernen, wie man wieder in die Normalität zurückkehrt", lautet das Fazit der Analysten. (fp)