Morgan Stanley Investment Management erhöht seine Positionen in Schwellenländern, die vom Boom rund um künstliche Intelligenz (KI) weniger abhängig sind. Hintergrund ist die Positionierung für einen möglichen Rückschlag im stark überlaufenen Technologiesektor, sagte die stellvertretende CIO, Jitania Kandhari.

Sorgen über hohe Bewertungen und massive Investitionsausgaben der US-Technologiekonzerne haben den Nasdaq-100-Index zum schwächsten Jahresauftakt seit 2022 gedrückt. Die Nervosität greift auch auf die Schwellenländer über, wo fast die Hälfte einer Rally von zwölf Billionen US-Dollar seit April auf KI-nahe Aktien entfällt.

"Einige Risse im KI-Konsens"
Wachsende Zweifel am KI-Trade machten EM-Aktienportfolios anfällig für größere Verluste, sollte es zu einem Ausverkauf kommen, sagte Kandhari im Interview. Sie suche daher nach Investments, die in einem solchen Szenario besser abschneiden oder zumindest widerstandsfähig bleiben.

"Es gibt einige Risse im KI-Konsens", sagte sie. "Man sollte sicherstellen, dass man andere Themen im Portfolio hat, die nicht mit KI korrelieren."

Schwellenländer-Aktien mit weniger KI-Bezug im Fokus
Zu den Risiken für weitere Kursgewinne zählte Kandhari hohe Bewertungen, intransparente Finanzierungsstrukturen, steigende Investitionsintensität sowie die Verzögerung zwischen Nutzung und Monetarisierung. Statt eine rein bullishe oder bearishe Haltung zur KI einzunehmen, sollten Anleger Portfolios konstruieren, die deren Schwächen absichern.

In Schwellenländern bedeute dies, das Engagement in Ländern und Sektoren zu erhöhen, deren Aktien weniger stark mit KI verknüpft sind. Indien und Indonesien sowie traditionellere Segmente des chinesischen Marktes hätten hinter der breiteren Rally zurückgelegen. Auch Frontier-Märkte, die von Binnenreformen oder Bilanzsanierungen profitieren, böten Chancen – unabhängig von globalen Technologietrends.

"Rohstoff-Story hat weiter Potenzial"
Kandhari bleibt zudem positiv für Rohstoffe gestimmt. Die KI-Infrastruktur sei weiterhin auf Metalle und Elektrifizierung angewiesen. "Ich denke, die Rohstoff-Story hat weiter Potenzial", sagte sie. "Denn physische KI braucht Kupfer, physische KI braucht Seltene Erden."

Auch Sektoren mit geringer KI-Korrelation seien attraktiv, darunter Gesundheitswesen, Teile des Finanzsektors, Fertigung außerhalb der KI-Lieferkette sowie Branchen, deren Bewertungen im Vergleich zu Technologiewerten gefallen sind. "Selbst in den USA war ich das gesamte vergangene Jahr bei den Mega Seven untergewichtet", sagte sie mit Blick auf die als "Magnificent Seven" bekannten US-Technologieriesen. "Dieses Kapital kann in andere Teile der USA und andere Regionen der Welt fließen, die mehr Potenzial haben."

Keine Dotcom-Wiederholung – aber Risiken
Eine Wiederholung des Dotcom-Crashs erwartet Kandhari nicht. Dennoch sehe sie zunehmende Inkonsistenzen im KI-Narrativ. Verwundbarkeiten ergäben sich aus der starken Konzentration auf einen einzelnen Sektor, dessen Erträge möglicherweise erst mit Verzögerung realisiert werden. "Die Monetarisierung hinkt der Nutzung deutlich hinterher", sagte sie.

Trotz erhöhter Volatilität bleibt Kandhari für Schwellenländer optimistisch. Das US-Finanzumfeld werde strukturell unterstützend bleiben und Risikoanlagen stützen.

"Zeitalter gedeckelter Zinsen"
Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der hohen US-Staatsverschuldung. Sollten reale Zinsen über längere Zeit über dem Wirtschaftswachstum liegen, würde die Schuldenquote stark steigen – mit entsprechendem Druck der Märkte auf die Federal Reserve, die Zinsen unter das nominale BIP-Wachstum zu senken. "Ich spreche vom Zeitalter gedeckelter Zinsen", sagte sie. "Das bedeutet Dollar-Liquidität weltweit, was Schwellenländern hilft und definitiv zu einem schwächeren Dollar führt."

Morgan Stanley Research rechnet in diesem Jahr mit zwei Zinssenkungen in den USA und erwartet weiterhin eine Tendenz zu einem schwächeren Dollar. (mb/Bloomberg)