Morgan Stanley warnt: Die Dieselkrise in Europa spitzt sich zu
Mehrere gleichzeitige Angebotsprobleme sorgen laut Morgan Stanley für einen zunehmend angespannten Dieselmarkt in Europa. Die Analysten erwarten bis Jahresende sinkende Lagerbestände auf Mehrjahrestiefs, sehen das Kurspotenzial allerdings weitgehend ausgeschöpft.
Europas Diesel-Engpass verschärft sich nach Einschätzung von Morgan Stanley, weil mehrere bedeutende Angebotsprobleme gleichzeitig auftreten. Die Analysten verweisen auf Rekordraffineriemargen in der Region und sinkende Lagerbestände.
"Die Lage ist tatsächlich angespannt", schrieben Analysten um Martijn Rats in einer Mitteilung vom Sonntag (19.7.). "Unsere Modellierung von Angebot und Nachfrage deutet darauf hin, dass die europäischen Dieselvorräte bis zum Jahresende auf Mehrjahrestiefs fallen werden."
Mehrere Faktoren verengen den Markt
Die globalen Energiemärkte sind in diesem Monat durch das erneute Aufflammen des Kriegs zwischen den USA und dem Iran erschüttert worden. Die Preise für Ölprodukte sind dabei stärker gestiegen als die Rohölpreise. Der Dieselmarkt, der Lastwagen, Landwirtschaft und Industrie antreibt, hat sich aufgrund mehrerer Faktoren verengt. Dazu zählen Störungen in der Straße von Hormus, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien sowie ein von Moskau verhängtes Diesel-Exportverbot.
"Der eigentliche Engpass im Ölsystem liegt derzeit bei der Raffination, mehr noch als beim Rohöl", so die Analysten. Sie verwiesen auf einige unverkaufte afrikanische Rohölladungen sowie auf eine bärische Contango-Preisstruktur in Teilen des Marktes. "Das Epizentrum all dessen ist der Dieselmarkt und insbesondere Europa."
Lagerbestände auf Mehrjahrestief erwartet
Die Dieselraffineriemargen in Nordwesteuropa, die sogenannten Crack Spreads, sind laut Morgan Stanley auf ein Rekordniveau gestiegen. Die regionalen Lagerbestände dürften ab August kontinuierlich sinken und im November rund 299 Millionen Barrel erreichen. Das wäre laut den Analysten der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit mindestens 2015.
Auch die Branchenentwicklung in China trägt nach Einschätzung der Analysten zur angespannten Lage bei, da die Raffinerien dort weniger Rohöl verarbeiten. "China beliefert Europa zwar nie direkt mit Diesel", so die Analysten. Doch wenn "China weniger verarbeitet, gibt es im globalen System schlicht weniger Produkte, die in den Westen gelangen können".
Analysten sehen Markt bereits voll bewertet
Dennoch warnte Morgan Stanley, dass die angespannte Marktlage bereits in den Preisen berücksichtigt sei, und riet Investoren davon ab, auf weitere Kursgewinne vom aktuellen Niveau aus zu setzen. Der Markt sei "voll bewertet – nicht hinterherlaufen", erklärten die Analysten.
Europäische Diesel-Futures stiegen am Montagmorgen (20.7.) zeitweise um bis zu 3,5 Prozent auf 1.219,50 US-Dollar je Tonne – das ist der höchste Stand seit dem 20. Mai. Brent-Rohöl legte auf mehr als 90 Dollar pro Barrel zu und baute den Gewinn in diesem Monat auf 24 Prozent aus. (mb/Bloomberg)















