Fondsgesellschaften rühmen sich gerne damit, bei ihren Investments besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Vielfalt (neudeutsch: diversity) zu legen. Eine aktuelle Auswertung der Fondsratingagentur Morningstar zeigt nun: Vor der eigenen Haustür hält es die Industrie damit nicht so genau – zumindest, wenn es um die Frauenquote geht. Die ist heute nämlich genauso niedrig wie vor 20 Jahren.

Die Analysten haben die Geschlechterverteilung der 25.000 in ihrer Fonds-Datenbank registrierten männlichen und weiblichen Fondsmanager über die Zeit untersucht. Das Ergebnis: Ende 2000 waren 14 Prozent aller Fondsmanager weiblich – exakt so viele wie Ende 2019. In den USA ist der Frauenanteil sogar gesunken: Zwar ist die Zahl konstant geblieben. Da aber die Zahl der Fondsmanager gestiegen ist, ist die weibliche Quote heute insgesamt niedriger. Bei US-domizilierten Indexfonds sank der Anteil aller weiblichen Fondsmanager im betrachteten Zeitraum von 19 auf 13 Prozent, bei aktiv verwalteten Fonds reduzierte sich die Quote von 13,4 auf 10,7 Prozent.

Nur wenige Lichtblicke
In den deutschsprachigen Märkten sieht es kaum besser aus. In der Schweiz beläuft sich der Frauenanteil im Fondsmanagement auf gerade einmal zwölf Prozent, in Deutschland sind es zehn Prozent. Zwar gibt es global betrachtet einzelne Lichtblicke, schreibt Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah, etwa die vergleichsweise hohe Frauenquote in Ländern wie Singapur, wo 29 Prozent der Fondsmanager weiblich sind.

Doch diese Zahlen vermögen die geringe Rolle von Frauen in den großen Finanzzentren nicht zu kaschieren. "Es bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse über die positiven Auswirkungen einer ausgewogenen Gender-Struktur in Unternehmen für die finanzielle Performance auch in der Investmentindustrie umgesetzt werden." (fp)