Die Covid-19-Pandemie hat im vergangenen Jahr viele Privatanleger erstmals an die Börse gelockt. Die Kurse zahlreicher Anlagen notieren nun auf einem Allzeithoch. Was für viele Kapitalmarktteilnehmer ein Grund zur Freude ist, beobachtet Börsenurgestein George Muzinich mit Sorge. Er sieht die lockere Geldpolitik der Notenbanken als eine Ursache für den Börsenboom. "Billiges Geld verführt zum Schuldenmachen, das Problem daran ist: Wer so einfach an Geld kommt, verliert die Disziplin und fängt an zu spekulieren. Die Euphorie macht mir Angst", sagt der Gründer des auf Anleihen spezialisierten US-Vermögensverwalters Muzinich & Co. im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). 

Dass so viele Menschen die Börse für sich entdeckt haben, hält Muzinich an sich für begrüßenswert. Doch der Leichtsinn einiger Anleger macht ihm – ausgehend vom Beispiel Gamestop – Sorgen. "Wir leben in einer Zeit spekulativer Euphorie. Und wenn die Börsengeschichte eines lehrt, dann dieses: Das kann nicht ewig so weitergehen." Derzeit hält er etwa viele Tech-Aktien für überteuert, ebenso wie die Aktien von Lieferdienst-Unternehmen. "Die sind an der Börse Milliarden wert, machen aber häufig noch Verluste", warnt Muzinich.

Gesunder Menschenverstand statt Gier
Wichtigste Anlegerregel bleibt für den Profi, nicht der Habgier zu verfallen: "Wer zu gierig ist, gerät meiner Erfahrung nach am Ende immer in Schwierigkeiten." Das gilt nicht nur bei Aktien – auch bei Anleiheinvestoren appelliert Muzinich an den gesunden Menschenverstand.

So seien Rentenpapiere von Fluggesellschaften etwa interessant, weil die Menschen bald wieder fliegen werden. Anleihen von Kinoketten haben seiner Ansicht nach dagegen weniger gute Karten, da Streaming-Plattformen es der Branche auch auf mittlere Sicht schwer machen, jemals wieder auf die Beine zu kommen. (fp)