Auf Eonia folgt Ester: Die europäischen Großbanken haben sich auf einen neuen Referenzzins für Finanzprodukte geeinigt. Bei kurzfristigen Geldmarktgeschäften soll künftig der von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Referenzzins Ester den Takt angeben. Das teilte die Zentralbank laut Medienberichten am Donnerstag mit. Ester soll ausschließlich auf Basis der Geldmarktstatistik berechnet werden und damit weniger anfällig für Manipulationen sein.

Der Zins löst den bisherigen Referenzzins Eonia für Tagesgeld im Interbankengeschäft ab. Die Reform ist die Antwort der Notenbank auf die Skandale um Zinsmanipulationen. In der Vergangenheit mussten Banken Milliardenstrafen zahlen, weil Mitarbeiter die Geldmarkt-Referenzsätze jahrelang zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert hatte. Das war sowohl beim US-Dollar-Zins Libor der Fall als auch bei seinem europäischen Pendant Euribor. Auch Mitarbeiter der Deutschen Bank manipulierten jahrelang die Verfahren zur täglichen Festlegung der Referenzzinsen.

Auch Nachfolger für Euribor kommt
An den Geldmarkt-Referenzsätzen orientieren sich die Zinsen für unzählige Finanzgeschäfte im Wert von mehreren Billionen Euro. Nach Bekanntgabe der Zinsmanipulationen hatte die EU eine Verordnung verabschiedet, die neue Referenzzinsen vorschreibt. Sie tritt im Jahr 2020 in Kraft. Der Referenzzins Ester wird frühestens im Oktober 2019 eingeführt. Im kommenden Jahr soll auch ein Nachfolger für den Referenzzins Euribor gefunden werden. (fp)