Je wahrscheinlicher eine Insolvenz des chinesischen Mischkonzerns Evergrande wird, desto lauter werden die Stimmen, die vor einem Systemschock mit den Ausmaßen der Lehman-Krise warnen. Die Pleite der US-Investmentbank im September 2008 war einer der Auslöser für die globale Finanzkrise. Norbert Frey, Leiter des Portfoliomanagements der Fürst Fugger Privatbank, hält Ängste vor einem neuen Lehman-Moment indes für übertrieben. "Bei Evergrande handelt es sich vornehmlich um ein begrenztes Problem innerhalb Chinas", ist er überzeugt.

Frey räumt zwar ein, dass Peking in der Vergangenheit bereits kleinere Unternehmen hat pleitegehen lassen. "Allerdings wurde stets von staatlicher Seite eingegriffen, wenn es sich um systemrelevante Firmen handelte", betont er. Wenn Firmenpleiten in früheren Jahren die Stabilität des Finanzsystems gefährdeten, waren zudem immer Teile der Wirtschaft überschuldet, ohne dass Politik und Anleger es auf dem Schirm gehabt hätten, erklärt Frey. Peking bemühe sich aber momentan, es im heimischen Immobiliensektor gar nicht erst so weit kommen zu lassen – auch wenn einzelne Unternehmen, wie unter anderem Evergrande, unter der strengeren Regulierung leiden.

Kaum ausländische Anleger betroffen
Frühere Krisenunternehmen waren – auch von ihrer Aktionärsstruktur her – meist international aufgestellt, sodass ihr Kollaps maximalen Schaden hätte anrichten können. Diese Voraussetzung sieht der Fuggerbank-Experte im Fall Evergrande nicht gegeben. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass durch die massiven Probleme einer einzelnen Immobilienfirma den Märkten ein umfassender Rücksetzer bevorsteht", sagt er. (fp)