Die Corona-Pandemie hat der Weltwirtschaft einen Schock versetzt. Chinas Volkswirtschaft, der wichtigste Wachstumsmotor der Welt, ist im ersten Quartal um fast zehn Prozent geschrumpft. Im Euroraum fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten drei Monaten des Jahres um 3,8 Prozent. Und in den USA halten es Volkswirte für möglich, dass die US-Arbeitslosenquote im Mai auf 20 bis 25 Prozent steigt. Trotz miserabler Konjunkturdaten halten sich Aktienindizes wie der US-Index S&P 500 aber gut. Dieser fiel seit Jahresbeginn um nicht einmal 15 Prozent. Wie passt das zusammen?

Joseph Amato, Chefanlagestratege für Aktien bei Neuberger Berman, erklärt sich die paradoxe Entwicklung mit der Zusammensetzung des Barometers. Die sehr zyklischen und konjunktursensiblen Titel seien genauso unter die Räder gekommen wie die Wirtschaft. Am 15. Mai 2020 hatten Finanzwerte seit Jahresbeginn über 30 Prozent verloren, und der Automobilsektor mehr als 40 Prozent.

Index ist nicht immun
Nicht-zyklische Titel wie Gesundheits- und Konsumverbrauchsgüter haben sich dagegen gut gehalten. Ähnliches gilt für Technologie- und E-Commerce-Werte. Sie reagieren zwar normalerweise ebenfalls sehr sensibel auf Konjunkturzyklen, haben sich aber in der Krise erstaunlich stabil gezeigt. Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne dieser Titel im zweiten Quartal lediglich um 13 Prozent fallen – und nicht um 71 Prozent wie bei Finanzwerten und Zyklikern.

Seit der Jahrtausendwende ist der Anteil dieser Werte an der Marktkapitalisierung des S&P 500 auf rund 70 Prozent gestiegen. "Der S&P 500 ist nicht die Volkswirtschaft", lautet daher das Fazit des Experten. Zwar scheine es, als habe die Corona-Krise die Korrelation zwischen Aktien und Wirtschaft geschwächt, aber besonders stark sei sie ohnehin nie gewesen. Ihn überrascht es deshalb kaum, dass sich der US-Index trotz miserabler Konjunkturdaten gut gehalten hat. Immun gegen das Virus sei er aber nicht. "Irgendwann werden sich Fundamentaldaten und Finanzmärkte wieder annähern", ist Amato überzeugt. (fp)