Mit Blick auf das baldige Ende des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) befürchten manche Anleger Risiken für die europäischen Rentenmärkte. Pessimismus ist aber nicht angebracht, erklärt der Fondsanbieter Neuberger Berman. "Der Euro-Rentenmarkt wird nach dem Ende des Anleihekaufprogramms nicht aus dem Gleichgewicht geraten, denn die Knappheit an AAA-Staatsanleihen rechtfertigt den Stopp", sagt Jon Jonsson, Fixed-Income-Portfoliomanager bei Neuberger Berman.

Auch nach dem Ende des sogenannten Quantitative Easings wird das Bilanzvolumen der Notenbank hoch sein, erwartet Jonsson. Zumal das Ende der Anleihekäufe keine generelle Straffung der Geldpolitik bedeute: "Die EZB hat betont, dass die Zinsen zumindest bis Ende des nächsten Sommers negativ bleiben werden." Nicht zuletzt sei die Notenbank noch weit von ihrem Inflationsziel von um die zwei Prozent entfernt. Ein Grund dafür sei, dass das Anleihekaufprogramm und die niedrigen Zinsen den Euro nicht so stark geschwächt haben wie erwartet.

Markteinschätzung zu pessimistisch
Im relativen Vergleich sei die Markteinschätzung gegenüber Europa zu pessimistisch, sagt Jonsson. Das Wirtschaftswachstum liege noch über dem Trend, der Euro sei gegenüber dem US-Dollar günstig bewertet, die Finanzbedingungen seien nach wie vor locker – und die Notenbank verfolge weiterhin eine expansive Geldpolitik. Auch ein Handelskrieg könnte die Euro-Länder nicht nachhaltig beschädigen, so der Portfoliomanager. Er empfiehlt Anleihe-Investoren, sich in den Euro-Kernländern umzusehen und auf eine kurze Duration zu setzen. Auch taktische Positionen in italienischen Titeln hält er für aussichtsreich. (fp)