In immerhin neun Ländern der Europäischen Union, darunter Deutschland, kann man bisher noch unbegrenzt mit Bargeld bezahlen. Theoretisch kann man sogar für eine Villa am Meer oder einen Maserati Scheine springen lassen, statt Geld zu überweisen – man muss lediglich ab einer bestimmten Summe einen Ausweis vorzeigen. Damit soll nun Schluss sein: Die EU-Kommission will für alle Mitgliedsstaaten eine Obergrenze von 10.000 Euro bei Cash-Zahlungen einziehen. Denn Zahlungen mit Barmitteln öffnen nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörden Kriminellen Tür und Tor zur Geldwäsche. Man wolle nicht das Bargeld abschaffen, sagte EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness der "Süddeutschen Zeitung". "Doch wir wollen saubere Euros, keine dreckigen."

Die geplante Obergrenze trifft nicht nur auf Beifall, sondern auch auf Kritik. Zu jenen, die das Vorhaben mit Skepsis betrachten, gehört etwa Markus Ferber (CSU), Wirtschaftsexperte im Europaparlament. "Die Kommission ist auf dem Holzweg, wenn sie den Kampf gegen Geldwäsche mit dem Kampf gegen Bargeld verwechselt", sagt er im "Tagesspiegel". Zwar räumt auch Ferber ein, dass Cash-Zahlungen die Geldwäsche erleichtern. Es sei aber ein Unterschied, ob jemand Immobilien mit Euro-Scheinen bezahle oder einen Kleinwagen. "Es ist nicht verhältnismäßig, dass die Kommission immer zum größtmöglichen Kaliber greift", kritisiert der Christsoziale. Er sieht in Deutschland stattdessen das Bundesfinanzministerium in der Pflicht, stärker gegen Geldwäscher vorzugehen und Verdachtsfälle schneller abzuarbeiten.

Mafia-Paradies Deutschland
Derzeit gibt es innerhalb der EU keine einheitliche Obergrenze für Bargeldzahlungen. In Griechenland darf man etwa nur Beträge bis 500 Euro bar bezahlen, in Kroatien liegt die Grenze bei 15.000 Euro. Dänemark und das von der Mafia besonders stark geplagte Italien wollen den Grenzwert auf 2.700 beziehungsweise tausend Euro absenken. Die italienische Senatorin und Anti-Mafia-Kämpferin Laura Garavini betrachtet solche Obergrenzen als scharfes Schwert im Kampf gegen Geldwäsche. Gerade das bargeldfreundliche Deutschland sei inzwischen ein Geldwäsche-Paradies für Mafiosi, warnt sie. Auch ein EU-Papier, das dem "Tagesspiegel" vorliegt, kommt zu dem Ergebnis, dass Cash-Geschäfte schwer aufzuspüren sind und den Kampf gegen Geldwäsche erschweren. (fp)