Neue Rekorde voraus: Goldman Sachs bleibt bei Gold optimistisch
Notenbanken beanspruchen inzwischen einen erheblich größeren Teil der jährlichen Goldförderung. Für den Leiter des Metallhandels bei Goldman Sachs ist dies der entscheidende Grund, weshalb die aktuelle Schwächephase nicht das Ende der Hausse bedeutet.
Die Schwächephase bei Gold markiert nach Einschätzung von Tony Kim nicht das Ende des Bullenmarktes. Der Global Head of Metals Trading bei Goldman Sachs rechnet vielmehr damit, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt und der Preis des Edelmetalls neue Höchststände erreicht.
Gold hatte im Januar ein Rekordhoch verzeichnet und sich im August wieder erholt. Dennoch lag der Preis zum Zeitpunkt des Gesprächs noch rund 20 Prozent unter seinem Höchststand. Aus Sicht Kims handelt es sich dabei um eine "verlängerte Pause" innerhalb des Bullenmarktes, wie er in einem Podcast von Goldman Sachs erklärte.
Zinsen und Iran-Konflikt bremsen die Nachfrage
Für die Unterbrechung des Aufwärtstrends macht Kim vor allem zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen versuchten die Marktteilnehmer, den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh einzuschätzen. Zum anderen habe der Konflikt zwischen den USA und Iran die Energie- und Rohstoffmärkte durcheinandergebracht.
Die Verwerfungen hätten auch die Goldnachfrage aus Asien gedämpft. In Ländern wie Indien müssten Währungsreserven verstärkt zur Sicherung der Energieversorgung eingesetzt werden. Der Kauf von Gold stehe daher derzeit weniger im Vordergrund. Eine Normalisierung der Energieversorgung und der Lage rund um die Straße von Hormus könnte diese Nachfrage nach Einschätzung Kims wiederbeleben.
Zentralbanken kaufen deutlich mehr Gold
Der wichtigste strukturelle Treiber bleibt für Kim die Nachfrage der Zentralbanken. Weltweit würden jährlich etwa 3.500 Tonnen Gold gefördert. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine hätten Notenbanken davon ungefähr 400 bis 500 Tonnen pro Jahr erworben. Mittlerweile seien es eher 1.000 bis 1.100 Tonnen. Damit verbleibe deutlich weniger Gold für Schmuck, börsengehandelte Produkte, Barren und andere Anlageformen. Folglich sei auch weniger zusätzliches Investmentkapital erforderlich, um den Preis deutlich nach oben zu bewegen.
Die langfristige Beziehung zwischen Gold und den realen Renditen könnte sich dadurch verändern. Steigende Renditen langlaufender Anleihen müssten Gold nicht zwangsläufig belasten, wenn sie auf wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zurückgehen. Interventionen an den Devisen- oder Anleihemärkten erhöhten erfahrungsgemäß ebenfalls die Bereitschaft, Gold zu kaufen.
Gold bleibt der fundamental überzeugendere Handel
Bei Silber erwartet Kim weiterhin starke Schwankungen. Rund die Hälfte der Nachfrage sei industriell geprägt, während der vergleichsweise kleine Anteil der Investmentnachfrage entscheidenden Einfluss auf die Preisbildung habe. Kehre die Nachfrage privater Anleger zurück, könne Silber bei steigenden Goldpreisen zwar überproportional zulegen.
Fundamental bevorzugt Kim jedoch Gold. Dort seien institutionelle Anleger engagiert, und auch die Zentralbanken konzentrierten ihre Käufe auf das gelbe Edelmetall. Die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze betrachtet der Experte als solide Unterstützung. Auf diesem Niveau beobachte Goldman Sachs sowohl Käufe staatlicher Akteure als auch institutionelle Nachfrage. (mb)




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