Wenn Kraftstoffe, Mieten, Brote oder Paprikaschoten teurer werden, bekommen Bürger schnell das Gefühl, ihr Geld verliere rasant an Wert. Wie hoch die Teuerung wirklich ist, kann nun jeder Europäer selbst nachrechnen, berichten die “Süddeutsche Zeitung“ (SZ) und das “Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND): Dank eines neuen Rechners auf der Website der Europäischen Zentralbank (EZB). Dort kann jeder seine monatlichen Ausgaben eintragen, zu Wohn- und Lebensmittelkosten, Bekleidung, Spritkosten sowie vielen weiteren Ausgaben. Das Programm errechnet daraufhin die individuelle Inflationsrate. 

Die EZB verfolgt mit der Einführung dieses Tools eine klare Kommunikationsstrategie: In den vergangenen Jahren stand die Zentralbank aufgrund ihrer ultralockeren Geldpolitik und der niedrigen Zinsen oft in der Kritik. Dabei orientiert die Notenbank ihren Zinssatz an der Inflation – die in den vergangenen zehn Jahren das angestrebte Ziel von nahezu zwei Prozent nicht annähernd erreicht hatte. Allerdings empfinden Verbraucher die Teuerung oft als höher als sie tatsächlich ist. Laut einer Analyse der Statistikbehörde Eurostat schätzte die Bevölkerung die Inflationsrate Anfang des Jahres auf 4,5 Prozent, als diese tatsächlich noch bei rund einem Prozent lag. Nun können Bürger nachprüfen, ob ihre gefühlte Inflationsrate sich mit der tatsächlichen deckt.

Nicht alles abgebildet
Doch kaum ist der Inflationsrechner online, gibt es bereits erste Kritik: Das Tool bilde die gestiegenen Wohnpreise nicht ausreichend ab, berichtet die SZ – und das, obwohl die Häuserpreise in Europas Großstädten zwischen den Jahren 2015 und 2020 um 50 Prozent gestiegen sind. Derzeit werde an einer Lösung für das Problem gearbeitet. Außerdem drückt die offizielle Inflationsrate die ungleiche Verteilung der gestiegenen Ausgaben innerhalb der Bevölkerung nicht realitätsnah aus, bemängeln Ökonomen. (fp)