Münchener Staatsanwälte ermitteln derzeit gegen Anlageberater, Unternehmensinhaber und Steueranwälte wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Die rund hundert Beschuldigten sollen Kunden beim Handel mit Zertifikaten sogenannte "steueroptimierte" Lösungen angeboten haben, die den Staat mehr als eine halbe Milliarde Euro Steuern gekostet haben könnten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das sind durchschnittlich mehr als fünf Millionen Euro pro Beschuldigten.

Bei einer Razzia wurden zwischen 150 und 200 Büros in ganz Deutschland durchsucht, einen Haftbefehl gibt es jedoch bislang nicht. Während die Anwälte der Beschuldigten die Vorwürfe zurückweisen, sprechen andere Juristen von einem zweiten Cum-Ex-Skandal. Denn die Masche soll ähnlich funktioniert haben: Den Fiskus durch undurchsichtige Finanzgeschäfte schädigen. Im Fall Cum-Ex hatten sich die Betrüger Steuern auf Dividendengewinne mehrmals vom Fiskus erstatten lassen. 

Drohende Gefängnisstrafe
Im aktuellen Fall sollen die Beschuldigten in Zertifikate-Geschäfte verwickelt gewesen sein, bei denen sich Gewinne und Verluste gegenseitig aufheben, nur um anschließend die Minusgeschäfte bei der Steuer angegeben haben. Im Anschluss daran sollen die Unternehmen mit anderen Unternehmen verschmolzen worden sein, was es den Beschuldigten ermöglichte, die Verluste aus dem Zertifikate-Handel zum zweiten Mal steuerlich geltend zu machen. Noch ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft, wie kriminell diese Deals wirklich sind. Kommt es zum Urteil, müssen zahlreiche Beschuldigte mit einer Gefängnisstrafe rechnen. (fp)