Die avisierten Neuwahlen in Japan hinterlassen deutliche Spuren an den Finanzmärkten: Der Yen sank am Mittwoch (14.1.) zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren. Die Kurse langlaufender Staatsanleihen fielen, im Gegenzug stiegen die Renditen zehnjähriger Anleihen auf das höchste Niveau seit der Jahrtausendwende. Die wichtigsten Aktienindizes an der Tokioter Börse setzten dank der erwarteten expansiven Fiskalpolitik ihre Rally fort und erreichten zuletzt Rekordstände.

"Die 'Takaichi-Trades' schwächen den Yen schon seit einigen Monaten", erläutert Frank Klumpp, Anlagestratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), in einem aktuellen Marktkommentar. Im Oktober war Sanae Takaichi zur ersten Premierministerin gewählt worden. "Sie ist Verfechterin niedriger Zinsen und großzügiger Konjunkturprogramme. Speziell ersteres belastet nach aller Erfahrung eine Währung", so Klumpp. "Die Märkte gehen davon aus, dass Takaichi Druck auf die Bank of Japan (BoJ) in Richtung niedriger Leitzinsen ausüben wird. Dies auch, um die Zinsbelastung des Staates im Griff und damit weitere Ausgabenprogramme finanzierbar zu halten."

"Langfristige Reflationsstrategie"
Takaichi ist beliebt, was die 64-Jährige für Neuwahlen im Februar nutzen möchte. "Würde sie für die LDP die absolute Mehrheit zurückerobern, könnte sie ihren Politikmix klarer durchsetzen", erläutert der LBBW-Stratege. Für den Yen wäre das seiner Meinung nach eine zusätzliche Belastung. Er rechnet allerdings nicht damit, dass die BoJ ihrem Wunsch nachkommen wird. Vielmehr dürften die Währungshüter die Leitzinsen weiter erhöhen, schließlich liege die Kerninflationsrate weiterhin über drei Prozent. Zuletzt hatte die BoJ den Leitzins im Dezember auf 0,75 Prozent geschraubt.

"Takaichis Schritt zielt darauf ab, die Kontrolle über die eigene Partei und ihre Koalition zu behalten, damit sie ihre langfristige Reflationsstrategie umsetzen kann", erläutert Raphaël Gallardo, Chefvolkswirt beim französischen Asset Manager Carmignac. "Die Märkte fürchten zu Recht, dass ihr größeres politisches Kapital auch mehr Haushaltsdefizit und Inflationsdruck bedeutet." Dies habe zu einem Ausverkauf am Anleihemarkt und einem Anstieg der Aktienkurse geführt. "Der Yen spiegelt die Befürchtung wider, dass die Bank of Japan von der Regierung daran gehindert wird, die Realzinsen schnell genug zu normalisieren, um diesen Inflationsdruck einzudämmen."

Auswirkungen auf amerikanische und europäische Anleihen
Das steigende Zins- und Renditeniveau in Japan hat Klumpp zufolge potenziell globale Implikationen: Wegen der steigenden relativen Attraktivität japanischer Staatsanleihen könnten heimische Investoren Geld aus dem Ausland auf ihren Heimatmarkt umschichten. "Dies würde Aufwärtsdruck für Renditen zehnjähriger US-Treasuries sowie für langlaufende Euro-Staatstitel bringen", mahnt der LBBW-Experte. "Wie schon 2024 könnte eine zu rasche Rückabwicklung von Carry-Trades auch an den Aktien- und Währungsmärkten spürbar sein." (bm)