"Nichts Dramatisches": EZB-Rat spielt Euro-Rally herunter
Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras sieht trotz der Euro-Aufwertung keinen Anlass zur Sorge. Der Wechselkurs liege im historischen Rahmen und sei bereits in den Projektionen berücksichtigt. Weitere Zinssenkungen erwarten viele Marktteilnehmer derzeit nicht.
Die Europäische Zentralbank verfolgt die jüngste Aufwertung des Euro aufmerksam, doch Ratsmitglied Yannis Stournaras sieht keinen Anlass zur Beunruhigung. "Wir beobachten die Wechselkurse und alle Variablen, die Aktivität und Inflation beeinflussen", sagte der griechische Notenbankchef im Interview mit "Bloomberg Television". Die Aufwertung seit März 2025 sei bereits in den EZB-Projektionen enthalten, zudem bewege sich die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar weiterhin innerhalb einer historischen Handelsspanne.
"Der größte Teil der Aufwertung fand im ersten Quartal des vergangenen Jahres statt", sagte er am Freitag (6.2.). "Das war nichts Dramatisches, das uns dazu bringen sollte, unseren Kurs zu ändern."
EZB belässt Einlagensatz bei zwei Prozent
Die Aussagen erfolgen weniger als einen Tag, nachdem die EZB ihren Einlagensatz bei zwei Prozent belassen hatte – bereits zum fünften Mal in Folge. Präsidentin Christine Lagarde hatte am Donnerstag betont, die Notenbank befinde sich an einem "guten Punkt" und spielte auch den jüngsten Euro-Anstieg herunter.
Die meisten Investoren und Ökonomen erwarten nach den bereits acht Zinssenkungen in diesem Zyklus keine weiteren Schritte nach unten.
Weitere Ratsmitglieder teilen Gelassenheit
Weitere Notenbanker stimmten Stournaras zu. "Die Bewegung beim Dollar hat sich in den vergangenen Tagen stabilisiert", sagte Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau gegenüber "BFM Business Television". "Wir liegen bei etwa 1,18 Dollar – zufällig ist das der historische Kurs, wenn man den Durchschnitt seit Einführung des Euro betrachtet."
Auch Lettlands Martins Kazaks verwies darauf, dass der Euro in den vergangenen Monaten in einem relativ engen Korridor geschwankt habe. Die Bewegungen seien bereits "eingepreist" im Basisszenario der EZB. Er warnte jedoch, dass eine "deutliche und schnelle" Aufwertung den Inflationsausblick dämpfen und "möglicherweise eine geldpolitische Reaktion auslösen" könnte.
Risiken "ausgewogen"
Stournaras sieht die Risiken für Inflation und Wachstum als ausgewogen und bezeichnete die Währungshüter als "ziemlich zuversichtlich". "Wir haben nicht das Gefühl, dass wir unseren Kurs ändern sollten", sagte er. "Wir sind datenabhängig. Das hat sich bisher als sehr gute Praxis erwiesen."
Spaniens Notenbankchef Jose Luis Escriva äußerte sich ebenfalls entspannt zur aktuellen Lage, betonte jedoch die Handlungsbereitschaft der EZB. "Wir sehen, dass die Inflationserwartungen auf diesem Niveau verankert sind, und unsere Prognosen für die nächsten zwei Jahre bleiben in diesem Umfeld", sagte er dem Radiosender "Cadena Ser". "Alles deutet darauf hin, dass der beste Kurs derzeit Zinsstabilität ist."
Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig – Vorsicht bleibt geboten
Europas Wirtschaft hat sich trotz Gegenwinds wie Zöllen als robust erwiesen und wuchs im vierten Quartal um 0,3 Prozent – stärker als erwartet. Rückenwind dürfte zudem von höheren staatlichen Ausgaben in Deutschland und anderswo kommen.
Dennoch bleiben Risiken bestehen. Die erratische US-Handelspolitik gilt als das wichtigste, während die Inflation in der Eurozone im Januar auf 1,7 Prozent gesunken ist. Das könnte die taubenhafte Minderheit im EZB-Rat bestärken, auch wenn die EZB weiterhin eine Rückkehr zu zwei Prozent im Jahr 2028 prognostiziert.
Stournaras erklärte, die EZB habe eine weiche Landung erreicht und bezeichnete die aktuelle Lage als "stabiles Gleichgewicht". (mb/Bloomberg)













