Das verarbeitende Gewerbe in Japan entwickelt sich gut – trotz der anhaltenden Covid-19-Pandemie. Naoki Kamiyama, Chefstratege bei Nikko Asset Management (Nikko AM), sieht dafür zwei Gründe: "Erstens hat sich die Verbrauchernachfrage weg von Dienstleistungen hin zu handfesten Gütern verlagert. Zweitens erholt sich Chinas Wirtschaft schneller als erwartet, was die Nachfrage nach Investitionsgütern aus Japan ankurbelt", erklärt er. Viele andere Länder stützen den Konsum mit staatlichen Hilfsprogrammen. Für Japans Industrie dürfte es deshalb weiter aufwärts gehen, prognostiziert Kamiyama.

Japans Wirtschaftserholung mag in manchen Investoren Erinnerungen an frühere Zeiten wecken, als das Land eine schwindelerregende Zahl von Gütern produzierte. Diese Zeiten kann allerdings auch die Corona-Krise nicht zurückbringen, sagt der Nikko-AM-Stratege. Viele japanische Hersteller haben ihre Produktion nämlich längst in andere Länder ausgelagert. "Heute konzentriert sich Japans Industrie erfolgreich auf Güter mit hoher Wertschöpfung wie zum Beispiel Halbleiter", sagt Kamiyama.

Klimaschutz bietet Chancen für Unternehmen
In Zukunft gehe es für die japanische Industrie darum, Bereiche mit Entwicklungspotenzial zu erschließen oder auszubauen, erklärt der Stratege. Als Beispiele nennt er den digitalen Wandel und die globale Dekarbonisierung. "Was die Dekarbonisierung betrifft, haben japanische Unternehmen innovative Technologien angehäuft, die den CO2-Ausstoß kostengünstig reduzieren könnten", sagt Kamiyama. Diese Firmen müssten allerdings, so seine Analyse, ihre Neigung zum Over-Engineering im Griff behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. (fp)