Solide Anleihen aus den Schwellenländern bleiben aller Voraussicht nach gefragt, sagt Raphael Marechal, Portfoliomanager bei Nikko Asset Management. Kein Wunder: Die Papiere bieten vergleichsweise hohe Renditen bei selbst unter Corona-Bedingungen oft moderatem Risiko. "Für die Schwellenländer glich 2020 einer Achterbahnfahrt", sagt der Anlageexperte. "Die meisten Länder aber haben ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks unter Beweis gestellt. Wir glauben, dass dies die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Schwellenländeranleihen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld weiter anheizen wird."

Die Erholung in den Emerging Markets dürfte allerdings in Zukunft weniger einheitlich verlaufen als bisher, warnt Marechal. Als Beispiel für eine sich abzeichnende Differenzierung nennt er die Türkei: "Der Markt stellt das niedrige Niveau der Realzinsen dort bereits in Frage, da die Türkei Devisenreserven zur Stützung der eigenen Währung einsetzt und der kurzfristige externe Finanzierungsbedarf des Landes wächst", erklärt er.

Urlaubsländer in Nöten
Schwierigkeiten sieht der Nikko-AM-Experte auch im Tourismussektor, der aller Voraussicht nach besonders viel Zeit brauchen wird, um sich von der Corona-Krise zu erholen. "Aus diesem Grund bleiben wir gegenüber Ländern wie Thailand, Sri Lanka, der Dominikanischen Republik sowie Dubai vorsichtig", sagt er. Auf der anderen Seite bieten Rohstoffproduzenten wie Südafrika und Chile seiner Einschätzung nach gute Möglichkeiten, vom Aufschwung der chinesischen Wirtschaft zu profitieren.

Ein Risiko für Schwellenländer-Bond-Investoren sind mögliche soziale Unruhen und politische Risiken in Ländern wie Kolumbien, Brasilien und Ecuador, sagt Marechal. Dort sei anscheinend zu wenig getan worden, um die Folgen der Covid-19-Pandemie einzudämmen. (fp)