In Argentinien geht es nach vier Jahre mit schwachem Wirtschaftswachstum endlich aufwärts, meldet der Fondsanbieter NN Investment Partners (NNIP). Das macht das Land auch für Investoren wieder interessant: "Argentinien hat sowohl in der Wirtschaft als auch am Aktienmarkt eindeutig Luft nach oben", sagt Maarten-Jan Bakkum, Stratege und Schwellenländerexperte bei NNIP. Rund eineinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident Mauricio Macri finde allmählich "ein gewaltiger Wandel" statt.

Macri kann als der erste nicht-populistische Präsident Argentiniens seit den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet werden. Technokraten besetzen Schlüsselrollen in allen wichtigen Ministerien und in der Zentralbank. Nur einige Monate nach Amtseinführung hatte die neue Regierung bereits die Barrieren im Devisenhandel beseitigt, verschiedene Steuern abgeschafft oder gesenkt und den langjährigen Konflikt mit ausländischen Gläubigern beigelegt. Macri versucht zudem, Haushaltslöcher zu stopfen – in Lateinamerika nicht selbstverständlich. "Statt einer Schocktherapie schlägt der Präsident einen langsameren Weg in Richtung Wandel ein", sagt Bakkum. Das habe soziale Unruhen im Land bislang verhindert.

Wenig Spielraum am Kapitalmarkt
Der Nachteil dieses vorsichtigen Ansatzes ist, dass das Haushaltsdefizit kaum geschrumpft ist. Da der argentinische Kapitalmarkt wenig Spielraum bietet, hängt die Finanzierung weitgehend von ausländischen Kapitalflüssen ab. Die hohen Zinsen des Landes ziehen zwar viele ausländische Investoren an, so dass es nicht schwierig ist, Anleihen zu emittieren. "Das erhöht jedoch den Zufluss von Hartwährungen in das Land, und der aktuell starke Peso hat einen negativen Einfluss auf den inländischen Konsum und Investitionen", erklärt der Stratege.

Dies ist momentan Macris Hauptsorge. Das Wirtschaftswachstum zieht nur langsam an, zudem ist die Inflation nach wie vor hoch. Folglich können die Zinsen nur langsam sinken, und das Investitionswachstum legt kaum zu. "Dennoch bewegt sich das Land eindeutig in die richtige Richtung", ist Bakkum überzeugt. Das Interesse ausländischer Investoren werde künftig wieder zunehmen, auch ein Konsumanstieg sei in Sicht. Insgesamt sei Argentinien wieder auf einem guten Weg. (fp)