Staatsanwälte und Polizisten in Berlin, München, Leipzig und in der Schweiz rückten am Montag zu einer Großrazzia gegen die Picam-Gruppe aus. Sieben Mitarbeiter des Vermögensverwalters sollen Anleger um insgesamt 300 Millionen Euro betrogen haben, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Tiergarten. Zu den Beschuldigten gehören Picam-Vertriebschef Thomas Entzeroth und Verwaltungsrat Peter Züllig. Auch ein Anwalt, ein Wirtschaftsprüfer und ein Bankmanager sind angeblich ins Visier der Ermittler geraten.

Picam-Kunden gingen davon aus, dass die Vermögensprofis per Handel mit Dax-Futures Renditen von bis zu 20 Prozent jährlich erwirtschafteten. Erste Zweifel daran wurden bereits vor zwei Jahren laut. Ende 2017 häuften sich dann die Ungereimtheiten, viele Anleger bekamen bereits keine Rückzahlungen mehr. Der Verdacht der Ermittler: Ein großer Teil des Kapitals soll gar nicht in Dax-Futures geflossen sein, sondern in vier Fonds der Luxemburger Gesellschaft Von der Heydt Invest. Über Verbriefungsplattformen soll das Geld dann als Darlehen an Firmen weitergereicht worden sein. Die Darlehensforderungen wiederum wurden offenbar verbrieft und an der Börse Düsseldorf angeboten.

Investoren drohen Verluste
Der Kreislauf schloss sich, indem das Anlegergeld von den Verbriefungsplattformen und Unternehmen zurück zur Piccor AG floss – einem Teil des undurchsichtigen Firmengeflechts rund um die Picam-Gruppe. Misstrauische Anleger wurden laut Ermittlern mit falschen Angaben in die Irre geführt. Alles in allem wurden sie wohl Opfer eines Schneeballsystems, das nun kollabiert ist.

Sollte sich dieser Verdacht erhärten, dürften ehemaligen Picam-Kunden herbe Verluste drohen, meinen die Handelsblatt-Autoren. Nur einer wurde durch die Ermittlungen offenbar entlastet: Peter Meller, der in Gibraltar Anlegergeld verwaltet haben und dann abgetaucht sein soll. Laut "Handelsblatt" spricht vieles dafür, dass seine ehemaligen Kollegen ihn als Sündenbock missbrauchen wollten. Im Durchsuchungsbeschluss taucht sein Name jedenfalls nicht auf. (fp)