Kaum eine Branche profitiert von der Globalisierung so sehr wie die Schifffahrt. So verkündete jüngst die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) auf ihrer Bilanzpressekonferenz einen Umsatzanstieg im Jahr 2006 um 22 Prozent auf erstmals über eine Milliarde Euro. Kein Wunder, denn allein im Geschäftsfeld Container konnte 2006 ein Umschlagwachstum von 18 Prozent auf 6,6 Millionen Standardcontainer verbucht werden. Mit diesen Zahlen dürfte einem erfolgreichen Börsenstart der HHLA im Herbst dieses Jahres nichts mehr im Wege stehen. Und damit könnten auch Privatanleger vom Erfolg des Unternehmens profitieren.

Auf Kurs mit Aktieninvestments

Aktien von Schifffahrtsunternehmen waren bisher eine von zwei Möglichkeiten für private Investoren, wenn sie am Wachstum der Branche teilhaben wollten. Zu den in Frage kommenden Unternehmen zählen Hafenbetreiber wie HHLA, Reedereien, Ladungstransporteure, Schiffsbauer oder Zulieferer. Doch es ist gar nicht so einfach, die richtigen Papiere mit langfristigen Chancen herauszufiltern. Nicht alle an der Börse notierten Gesellschaften müssen lukrativ sein oder interessante Unternehmen sind nur Teil innerhalb eines weit verzweigten Konzerns.

"Zu den bekanntesten deutschen Reedereien zählt wohl Hapag-Lloyd", sagt Thomas Böcher, Geschäftsführer der Norddeutschen Vermögensanlage GmbH & Co. KG (Norddeutsche Vermögen. "Doch was muss man kaufen, wenn man sich am Erfolg des Unternehmens beteiligen möchte? TUI-Aktien, Papiere eines Reisekonzerns. Das hat mit Schifffahrt nicht mehr viel zu tun."

Zudem ist Schifffahrt nicht gleich Schifffahrt. Jedes Unternehmen aus der Schifffahrtsindustrie steht vor ganz eigenen Herausforderungen - und nicht alle befinden sich in ruhigen Gewässern. So trennte sich Europas ehemals größter Werftkonzern Aker bereits von seiner Werftsparte, da sich dieses Geschäft für ihn nicht mehr rechnet - der dänische Schifffahrtskonzern A.P. Møller Maersk prüft diesen Schritt ebenfalls. Und das, obwohl die Werften eigentlich mehr als ausgelastet sind.

Bei den deutschen Schiffsbau- und Offshore-Zulieferern sieht es hingegen ganz anders aus: Sie erhöhten 2006 durch Exporte ihren Umsatz um 11,3 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro, die Umsatzsteigerung ist damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahr.

"Anleger sollten sich im Klaren darüber sein, dass unterschiedliche Segmente im Bereich Schifffahrt verschiedene Markt- und Managementrisiken haben", sagt Böcher. Wenn Containerhersteller tolle Bilanzen vorweisen, bedeutet das nicht automatisch auch gute Zahlen bei Schiffsbauern. "Entwickelt sich das Marktumfeld ungünstig oder versagt das Management, verliert das Unternehmen an Wert. Ein Investment mit Aktien bedeutet die Chance auf Kursgewinne, aber auch das Risiko von Kursverlusten", erklärt Böcher.

Gute Erträge mit geschlossenen Schiffsfonds

Statt sich über Aktien an Unternehmen der Schifffahrtsbranche zu beteiligen, können Privatanleger auch geschlossene Schiffsfonds zeichnen. Damit werden sie zu Miteigentümern eines Schiffes. In der Vergangenheit konnten Anleger mit vielen geschlossenen Schiffsfonds solide Erträge erzielen. Denn diese haben sich vom Steuersparmodell zur renditestarken Kapitalanlage entwickelt.

"Für Anleger von laufenden Schiffsfonds der Norddeutschen Vermögen wird 2007 wieder ein gutes Jahr", meint Böcher. "Diese werden knapp 126,5 Millionen Euro auszahlen, das entspricht im Durchschnitt 11,27 Prozent bezogen auf das gezeichnete Kapital. Und das ist ein ähnlich gutes Ergebnis wie 2006."

Insgesamt haben sich deutsche Privatanleger laut dem unabhängigen Analysehaus FondsMedia mit rund 150 Milliarden Euro an etwa 800 laufenden Schiffsfonds beteiligt. Investieren kann man in alle Schiffstypen wie Tanker, Containerschiffe oder Bulker. Manche Emissionshäuser bieten Flottenfonds an, um das Risiko eines Totalverlusts oder geringerer Einnahmen auf mehrere Schiffe zu verteilen. Denn geschlossene Schiffsfonds bieten nicht nur die Chance auf solide Erträge. Kann das Schiff nicht verchartert werden oder geht der Charterer pleite, droht im schlimmsten Fall der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Auch deshalb stehen die meisten geschlossene Schiffsfonds mit Einstiegssummen von durchschnittlich 20.000 Euro nicht jedem Anleger offen.

Schiffsinvestment per Zertifikat

Diverse Großbanken, aber auch Emissionshäuser haben jetzt nach einer Alternative gesucht, die weniger vermögenden Investoren eine Partizipation an der positiven Entwicklung in der Schifffahrtsbranche ermöglicht. Und sind fündig geworden: mit Zertifikaten. Sie versprechen Anlegern, unkompliziert am Wachstum der Schifffahrtsindustrie teilhaben zu können. Die meisten der angebotenen Zertifikate bilden eigens dafür konstruierte Schifffahrtindizes nach.

Diese sind jedoch je nach Angebot unterschiedlich zusammengesetzt: Während in manchen Körben Unternehmensaktien der gesamten Schifffahrtsbranche enthalten sind, wählen andere ausschließlich Reedereien aus. Ein weiterer Unterschied der einzelnen Indizes ist die Anzahl der enthaltenen Werte, die von zehn bis 30 Aktien schwankt. Je nach Index werden diese gleich gewichtet oder Schwerpunkte gesetzt.

"Im Scope Shipping Select Index ist beispielsweise das Unternehmen A.P. Møller Maersk mit 22 Prozent die größte Position", sagt Böcher. "Weil fast ein Viertel des Indexes von einem Unternehmen bestimmt wird, hängt ein großer Teil der Wertentwicklung - positiv wie negativ - von diesem Unternehmen ab."

Anleger sollten sich deshalb genau informieren, wie das Underlying Asset strukturiert ist und in was sie investieren. In der Regel stehen Risiko und Ertrag in direktem Zusammenhang. Mit Zertifikaten geht der Anleger ähnliche Chancen und Risiken wie mit Aktien ein. Doch durch das indirekte Investment über den Index verteilen sie sich breiter auf mehrere Werte.

"Bei Indexzertifikaten muss der zugrunde liegende Index genau analysiert werden", sagt Böcher. "Denn an seiner Mischung und der Entwicklung der darin enthaltenen Unternehmen hängt der Erfolg des Investments."

Fazit:

Jedes Gewässer ist unterschiedlich. Bei den drei Arten von Schiffsinvestments handelt es sich um völlig verschiedene Assetklassen mit eigenen Risiken und Chancen für unterschiedliche Zielgruppen. Nur die direkte Investition in eine Schiffsgesellschaft kann die Vorteile der pauschalen Tonnagebesteuerung nutzen.

Während sich geschlossene Schiffsfonds insbesondere für vermögende Privatanleger mit hoher Steuerlast lohnen, die auch das Risiko eines möglichen Totalverlusts verkraften können, kann mit der richtigen Aktie auch mit weniger Kapitaleinsatz eine gute Rendite erzielt werden. Dazu benötigt man allerdings die entsprechenden Marktkenntnisse, um nicht auf das falsche Schiff zu setzen. Zertifikate hingegen stehen selbst Kleinanlegern offen, das Risiko ist durch die Streuung im Index geringer als bei einem Direktinvestment mit Aktien.

"Anleger sollten sich vorher genau überlegen, welche liquiden Mittel zur Verfügung stehen, wie das bisherige Portfolio strukturiert ist, wie die steuerliche Situation aussieht und in was sie eigentlich investieren möchten", sagt Böttcher. "Und wie hoch das Risiko sein darf." (ir)