Weltweit wächst die Sorge für einer Rezession. Vor allem in den USA fordern Finanzexperten und Politiker immer lauter ein Umdenken in der Geldpolitik. Eine Idee, die vor allem am linken Rand der Demokraten an Beliebtheit gewinnt, ist die sogenannte "New Monetary Theory". Sie besagt, dass der Staat sich über Schulden keine Gedanken machen muss, weil er über seine Notenbanken unbegrenzt neues Geld schöpfen kann. Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, hält diesen Ansatz für extrem und unrealistisch. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" warnt er vor solchen radikalen Ideen: "Ich glaube, Geldpolitik ist eine zu heikle Angelegenheit für leichtfertige Experimente."

Die Notenbanken hätten gelernt, dass sie unter keinen Umständen die Fehler der 1930er Jahre wiederholen dürfen. Damals trugen sie massiv mit ihrer Geldpolitik zur Verstärkung der Krise bei. Mittlerweile aber würden die Zentralbanken den Erwartungen der Märkte zu intensiv folgen und es vermeiden, diese auch mal zu enttäuschen – ebenfalls eine riskante Politik, warnt Nowotny. "Ich bin der Auffassung, dass Notenbanken die entscheidende Institution sein sollten, die von daher auch manchmal Märkte enttäuschen müssen."

Gesamtbetrachtung ist wichtig
Auch wenn er von unendlicher Geldschöpfung wenig hält, zeigt sich der Notenbanker im Gespräch mit der Zeitung offen für Veränderungen: Die Geldpolitik sei zu wichtig, um neues Lernen zu verweigern. In welche Richtung sich die neue Politik in den Details bewege, sei allerdings offen. "Man muss das wirklich gesamtwirtschaftlich betrachten, etwa die realwirtschaftlichen Folgen langfristig extrem niedriger Zinsen", sagt Nowotny. Erst, wenn man eine Gesamtbetrachtung vornehme, könne man die richtigen Schlüsse ziehen. (fp)