Nullzins bleibt – aber SNB weiter zu Franken-Verkäufen bereit
Die Schweizerische Nationalbank sieht sich trotz nachlassender geopolitischer Spannungen weiter zu besonderer Wachsamkeit veranlasst. Gleichzeitig beließ sie ihren Leitzins zum vierten Mal in Folge bei null Prozent.
Die eidgenössischen Währungshüter unter der Führung von SNB-Präsident Martin Schlegel bekräftigten ihre "erhöhte" Bereitschaft zu Eingriffen am Devisenmarkt. Diese Formulierung haben sie seit Ausbruch des Iran-Kriegs wiederholt verwendet.
Die Schweizerische Nationalbank ließ ihren Leitzins am Donnerstag (18.6.) das vierte Quartal in Folge bei null. Damit steuert die Schweiz auf ein zweites Jahr mit diesem sehr niedrigen Zinsniveau zu. "Bei Bedarf ist die Bereitschaft der Nationalbank am Devisenmarkt zu intervenieren erhöht", erklärte die Zentralbank. "Damit wirkt die Nationalbank einer raschen und übermäßigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde."

Sorge vor erneutem Aufwertungsdruck
Der Beschluss deutet darauf hin, dass die Währungshüter weiter erneuten Aufwärtsdruck auf den Franken fürchten, obwohl die Umstände, die ihre Besorgnis ausgelöst hatten, nachgelassen haben. Die Währung ist inzwischen schwächer als vor Ausbruch des Konflikts, der Zuflüsse in sichere Häfen ausgelöst hatte. Ein in dieser Woche unterzeichnetes Friedensabkommen könnte Anleger zusätzlich von solchen Schritten abhalten.
Für die SNB liegt der Vorteil darin, dass sie sich Handlungsspielraum für den Fall neuer Feindseligkeiten bewahrt. Ob sie der Interventionsdrohung, die sie erstmals im März aussprach, tatsächlich Taten folgen ließ, wird erst bekannt, wenn am 30. Juni die Daten zum ersten Quartal veröffentlicht werden.
Schweiz in besonderer Lage
Die Währungsherausforderung unterstreicht die besondere Situation in der Schweiz. Anders als ihre Nachbarn im Euroraum, wo die Währungshüter vergangene Woche die Zinsen anhoben, sieht sich die Eidgenossenschaft nur mit moderater Inflation konfrontiert, die durch die Stärke des Frankens begrenzt wird.
Am Vorabend der Bekanntgabe hatte die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen unverändert gelassen. Die Entscheidung deutete zudem darauf hin, dass sich die Währungshüter einer Erhöhung annähern. Später am Donnerstag dürfte auch die Bank of England ihre Geldpolitik unverändert lassen. Die norwegische Zentralbank hielt am heutigen Donnerstag den Leitzins konstant bei 4,25 Prozent, wie von Ökonomen mehrheitlich erwartet. (mb/Bloomberg)













