Nach einem Jahr Coronakrise schauen Investoren überraschend positiv in die Zukunft. Sie konzentrieren sich auf die besseren Aussichten für das Jahr 2021, getrieben von der Überzeugung, dass Zinsen und Inflation langfristig niedrig bleiben. Dabei muss das nicht zwangsläufig eintreten. Steigende Zinssätze und wachsender Inflationsdruck sind eine reale Gefahr, mahnt Bob Doll, Chefanlagestratege beim Fondsanbieter Nuveen. 

Er rechnet damit, dass die Zinssätze voraussichtlich ungleichmäßig steigen, während sich das langfristige Wirtschaftswachstum erholen dürfte und Notenbanker und andere Entscheidungsträger weltweit ihr Bestes tun, um die Teuerungsrate anzukurbeln. In den vergangenen Jahren sei es zwar schwierig gewesen, Inflation zu erzeugen. "Wir erwarten jedoch, dass viele vom steigenden Inflationsdruck in den kommenden zehn Jahren überrascht werden", sagt Doll. 

Vorsicht vor übertriebenen Erwartungen
Vor diesem Hintergrund schätzt der Stratege viele Prognosen für Aktien als zu optimistisch ein. Zwar dürften die Gewinnen im kommenden Jahr wahrscheinlich wieder steigen, wenn sich die Wirtschaft erholt. Gerade in den USA scheinen die langfristigen Erwartungen aber übertrieben. "Aktien dürften in den kommenden Jahren steigen, Investoren sollten ihre Erwartungen allerdings dämpfen und selektiver vorgehen", lautet deshalb sein Fazit. (fp)