Der dramatische Umschwung an den US-Börsen am Donnerstag (20.11.) hat deutlich gemacht, dass die glänzenden Quartalszahlen von Nvidia nicht das erhoffte "Alles klar"-Signal für Risikoanlagen lieferten. Stattdessen suchten die Händler laut Goldman-Sachs-Partner John Flood Schutz vor weiteren Verlusten.

Zwei Billionen Dollar Börsenwert vernichtet
Ein früher Kursschub an der Wall Street verpuffte rasch: Das Aktienbarometer S&P 500 stieg in der ersten Handelsstunde um bis zu 1,9 Prozent, drehte dann aber bis 13 Uhr in ein Minus von 1,1 Prozent. Der Absacker war der stärkste Intraday-Umschwung seit den Marktturbulenzen im April. Vom Tageshoch gingen damit über zwei Billionen US-Dollar an Börsenwert verloren. Erstmals seit Monaten schloss der Index unter seinem 100-Tage-Durchschnitt.

Der Volatilitätsindex VIX sprang über 26. Letztlich schloss der S&P 500 1,6 Prozent im Minus und damit 3,5 Prozentpunkte unter dem Tageshoch.

Die Suche nach Erklärungen 
Angesichts der Rekordzahlen von Nvidia suchen Händler nach Erklärungen für den abrupten Rückgang. Die Theorien reichen von Zweifeln an der Fähigkeit der US-Notenbank, nach einem uneinheitlichen September-Arbeitsmarktbericht die Zinsen zu senken, bis zu Sorgen über überzogene Bewertungen und technische Faktoren, die kurzfristig orientierte Fonds zu weiteren Verkäufen veranlasst haben könnten.

"Da draußen gibt es derzeit viele Narben", schrieb Flood in einer Mitteilung an Kunden. "Der Fokus liegt extrem auf der Absicherung gegen Crowding-Risiken, und die Investoren sind im reinen Schutzmodus."

Schwächste Woche seit Monaten
Die Aktienmärkte steuern auf ihre schwächste Woche seit sieben Monaten zu. Zweifel an hohen Bewertungen und daran, ob die gewaltigen Investitionen in Künstliche Intelligenz sich auszahlen werden, treiben Anleger aus riskanteren Anlagen.

Der MSCI All Country World Index ist in dieser Woche um fast drei Prozent gefallen und liegt damit auf Kurs für seinen stärksten Wochenrückgang seit dem 4. April, als US-Präsident Donald Trumps Zölle die Märkte erschütterten.

Asien unter Druck – Bitcoin fällt unter 86.000 Dollar
Die asiatischen Börsen geben am Freitag (21.11.) um 1,6 Prozent nach – und sind damit ebenfalls auf dem Weg zu ihrer schwächsten Woche seit April. Der Dax-Future liegt um 6:15 Uhr Frankfurter Zeit 1,4 Prozent im Minus. Bitcoin ist zeitweise unter die Marke von 86.000 Dollar gefallen.

Mehr Short-Positionen und sinkende Liquidität
Der Handelstisch von Goldman Sachs registrierte eine Zunahme von Short-Positionen über verschiedene Makroprodukte hinweg, darunter börsengehandelte Fonds, individuelle Aktienkörbe und Futures. Zudem wiesen die Händler auf schwache Liquidität hin: Die Ordertiefe im S&P 500 lag unter fünf Millionen Dollar, verglichen mit durchschnittlich 11,5 Millionen Dollar über ein Jahr gesehen – ein Faktor, der die Kursbewegungen an den Aktienmärkten verstärken könnte. (mb/Bloomberg)