Brexit, Handelskrieg, Wirtschaftsabschwung: Anleger sorgen sich zunehmend um ihr Kapital. Der Wunsch nach einem sicheren Hafen hat den Zinssatz zehnjähriger US-Staatsanleihen Richtung Zwei-Prozent-Marke gedrückt und damit unter die Geldmarktsätze. Prompt haben die Notenbanken reagiert und moderatere Töne angeschlagen. "Mit Verweis auf die Finanzstabilität als Rechtfertigung versorgen sie die Märkte einmal mehr mit Finanzspritzen – eine Droge, von der die Märkte anscheinend nicht mehr loszukommen scheinen", sagt Laurent Denize, Leiter der Anleihesparte bei Oddo BHF AM.

Handlungswillige Zentralbanken sind für Aktienanleger zunächst einmal eine gute Nachricht. Dennoch: Den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg sieht Denize nicht gekommen. "Der Markt befindet sich aktuell im Spannungsfeld gegenläufiger Kräfte, die sich gerade so die Waage halten", sagt der Anlageexperte.

Die Schlagkraft der Notenbanken
Globale Aktien dürften in den nächsten sechs Monaten moderate Renditen erzielen, mit Dividenden und Aktienrückkäufen als wichtigste Treiber. "In den Industrieländern dürften sich die zuvor deutlich nach unten korrigierten Gewinnwachstumsprognosen bei rund vier Prozent stabilisieren", sagt Denize. Solange die Kapitalrendite nach Steuern deutlich höher sei als die Kapitalkosten, sollten Investoren weiterhin Aktien halten.

Auf der Anleiheseite dürfte der von den Zentralbanken verursachte Verdrängungseffekt zunächst bei Staatsanleihen zu spüren sein. Anschließend dürfte er auch bei anderen Anleihen voll durchschlagen. Anlegern rät Denize aktuell zur Übergewichtung von Investment-Grade-Anleihen. "Für eine aggressivere Allokation ist es noch verfrüht", sagt er. Dennoch sollten Investoren die Schlagkraft der Notenbanken keinesfalls unterschätzen. (fp)