Kritiker haben an Kryptowährungen vieles auszusetzen. Eines ihrer Hauptargumente lautet: Das Schürfen digitaler Münzen verschlingt viel zu viel Energie. Das ist nicht ganz falsch: Auf dem Höhepunkt des jüngsten Hypes im Mai wurden für das Erzeugen neuer Bitcoins 130 Terawattstunden (TWh) aufgewendet, schreibt Greenpeace-Ökonom Mauricio Vargas in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Damit überstieg der Energieverbrauch der weltgrößten Digitalwährung jenen der Niederlande. "Die Nummer zwei in der Kryptofamilie, Ether, hatte einen geschätzten Energieverbrauch von zirka 57 TWh und damit in etwa so viel wie die Schweiz", rechnet Vargas vor.

Der Ökonom hält es für ein falsches Signal, dass Spezialfonds seit dem 1. Juli 2021 bis zu 20 Prozent ihres Volumens in Digital-Devisen investieren dürfen. So wanderten Kryptos nun sukzessive in die Portfolios der breiten Masse an Anlegern, etwa über Rentenkassen und Versicherungsprodukte, kritisiert er. Dabei seien sich viele Anleger über die "desaströse Umweltbilanz" digitaler Münzen gar nicht im Klaren.

Legal ist nicht gleichbedeutend mit legitim
Cyberdevisen lassen sich kaum ressourcenschonend generieren, glaubt der Finanzexperte der Umweltorganisation. Das gelte vor allem für solche, die nach dem Prinzip "Proof of Work" geschürft werden. Dabei müssen Computer – vereinfacht ausgedrückt – Rechen-Rätsel lösen, um neue "Coins" zu generieren. Die Münzen seien damit quasi "geronnene Energie", argumentiert Vargas. Jegliche umweltfreundlichere Erzeugung müsse zwangsläufig dazu führen, dass sie an Wert einbüßen. Sein Urteil fällt entsprechend vernichtend aus: "Anlagen in Kryptowährungen unterlaufen systematisch den Klimaschutz."

Anleger, die zum grünen Umbau des Finanzsystems beitragen wollen, werden sich an ihrem Umgang mit Cyberdevisen messen lassen müssen, prophezeit Vargas. "Gleiches gilt für die Verantwortlichen von Pensions- und Versorgungskassen sowie andere institutionelle Anleger." Diese sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Klima-Bilanz von Kryptowährungen den Ansprüchen vieler Kunden zuwiderlaufe. Vargas sieht die Verantwortung für ESG-konformes Investieren allerdings bei jedem Einzelnen. Anleger sollten sich mehr mit den unerwünschten Effekten ihrer Geldanlage beschäftigen, fordert er. "Angesichts der großen ökologischen Herausforderungen gilt längst nicht mehr, dass legale Investments auch legitime Investments sind." (fp)