Ölpreis "dauerhaft höher": EZB-Direktorin fordert weitere Zinsschritte
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sieht trotz sinkender Energiepreise weiter erhebliche Inflationsrisiken. Nach neuen gegenseitigen Attacken der USA und des Iran bleibt das vorläufige Friedensabkommen fragil – und die Lage an der Straße von Hormus unsicher.
Trotz eines vorläufigen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran, das die Straße von Hormus wieder öffnen soll, könnten die Preisrisiken im Euroraum stärker ausfallen als bislang erwartet. Davor warnte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel am Samstag (27.6.) in einer Präsentation für den "Petersberger Sommerdialog 2026" in Königswinter. Neue gegenseitige Attacken der USA und des Iran vom Wochenende zeigen, wie fragil die Entspannung bleibt: Beide Seiten werfen einander vor, die Vereinbarung verletzt zu haben.
"Die Inflation bei Nahrungsmitteln, Gütern und Dienstleistungen ist Aufwärtsrisiken ausgesetzt", erklärte Schnabel. Zudem könne der "Energiepreisschock auf breitere Inflationsdynamiken übergreifen".
Weitere Zinserhöhungen erforderlich
Die Präsentation stützt Schnabels Aussagen aus einem jüngsten Interview, wonach aus heutiger Sicht weitere Zinserhöhungen notwendig seien, um die Inflation wieder auf zwei Prozent zurückzuführen. Zwar begrüßte sie den jüngsten Rückgang der Energiepreise infolge der Aussicht auf ein endgültiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran, warnte jedoch davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen.
"Die Unsicherheit bleibt hoch, doch das angekündigte Friedensabkommen macht negative Szenarien weniger wahrscheinlich", sagte sie. Dennoch dürften die Ölpreise "dauerhaft höher bleiben, da die Straße von Hormus nur schrittweise wieder geöffnet wird".
Schnabel, die als das geldpolitisch restriktivste Mitglied des EZB-Rats gilt, bekräftigte, dass die EZB "die Zinsen voraussichtlich weiter anheben wird, um die Inflation mittelfristig wieder auf zwei Prozent zu bringen".
Inflationserwartungen steigen
"Die Inflationserwartungen der Verbraucher sind gestiegen", sagte die deutsche Notenbankerin. Zugleich gebe es bislang "keine Anzeichen für Lohndruck".
Die Inflation im Euroraum dürfte sich im Juni laut einer "Bloomberg"-Umfrage von 3,2 auf 3,0 Prozent abgeschwächt haben. Die entsprechenden Daten werden in dieser Woche veröffentlicht. Analysten rechnen damit, dass die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel bei 2,6 Prozent verharrt und damit weiterhin deutlich über dem EZB-Ziel liegt. Anfang des Monats waren die Währungshüter zu dem Schluss gekommen, dass sie den Preisschock nicht länger ausblenden können, und hoben die Zinsen an. (mb/Bloomberg)














