Nicht nur Gold, auch Silber erfreut sich bei Anlegern wachsender Beliebtheit. Das zeigen die Käufe physisch besicherter Silber-ETFs: Seit Jahresbeginn sind sie sogar noch stärker gestiegen als die Käufe von Gold-ETFs. Die Bestände börsengehandelter Silber-Fonds haben sich um 50 Prozent erhöht und liegen nun bei beachtlichen 900 Millionen Unzen, berichtet Benjamin Louvet, Fondsmanager bei Ofi Asset Management. Seiner Ansicht nach ist diese Entwicklung nicht verwunderlich. Zwar ist die industrielle Nachfrage nach Silber durch die Coronakrise eingebrochen. Zugleich hat aber auch die Angebotsseite durch die Pandemie gelitten.

Der Großteil des Silbers am Markt kommt aus Süd- und Mittelamerika. Beide Regionen wurden von der Viruswelle hart getroffen. "Ende Mai hatten bis zu 66 Prozent der Produktionsanlagen ihren Betrieb eingestellt", sagt Louvet. Inzwischen hat sich die Lage zwar wieder etwas normalisiert. "Allerdings ist die Situation in einigen Ländern immer noch sehr unsicher." Ebenso wie Gold profitiert Silber darüber hinaus von den niedrigen Zinsen. Damit der Silberpreis noch deutlich höher steigt als zuletzt, muss indes die Nachfrage aus der Industrie wieder anspringen, urteilt der Fondsmanager.

Saubere Energie braucht Silber
Die Chancen auf einen weiter kletternden Silberpreis stehen gut. Das Metall kommt nämlich zunehmend in Technologien zur Energieumwandlung zum Einsatz, etwa in der Elektromobilität. "Silber ist ein ausgezeichnet leitfähiges Element", erklärt Louvet. Allein die Automobilindustrie benötigt heute rund 40 Millionen Unzen Silber pro Jahr, etwa fünf Prozent der gesamten Fördermenge. "Da das Elektroauto in den kommenden Jahren wohl einen Boom erleben wird, schafft dies eine neue Nachfragequelle, die die Preise in die Höhe treiben wird", sagt der Anlageprofi.

Dank seiner leitenden Eigenschaften ist Silber auch wichtig für die Photovoltaikindustrie. Zwar wird inzwischen weniger Silber pro Panel verwendet als früher. Dafür werden aber mehr Panels produziert. Unterm Strich hat sich die Silbernachfrage der Branche deshalb zwischen 2014 und 2019 verdoppelt. Im laufenden Jahr dürften zwölf Prozent der weltweiten Silberproduktion in der Photovoltaik zum Einsatz kommen, schätzt Louvet. Dieser Anteil könnte weiter steigen. Dem Silberpreis würde das weiteren Rückenwind verschaffen. (fp)